Redakteur: L. Zanker
Quelle: AZ
Publikationsdatum: 03.07.2012
Letzte Änderung: 10.07.2012

"Abi, eins, zwei - wir sind frei!"

Almabtrieb in der Turnhalle

Zuerst glaubt man, im Bierzelt zu sein. Fesche Mädels im Dirndl und stramme Burschen in Lederhose sind unterwegs, während Festzeltmusik aus den Boxen dröhnt. Doch für ein Bierzelt fehlt eins: Bier. Stattdessen steht in der Ecke ein Gatter, Kuhglocken läuten. Doch wer nun glaubt, mit „Viehscheid“ des Rätsels Lösung gefunden zu haben, liegt abermals nicht richtig – zumindest nicht ganz. Denn die Glocken hängen nicht dem Allgäuer Braunvieh, sondern den Lehrern des Gymnasiums Marktoberdorf um den Hals, die nun die Turnhalle betreten. Die Schüler jubeln, sie wissen, was jetzt kommt: der Abischerz.

Wie beim Viehscheid in ein Gatter getrieben

Und der hat durchaus Ähnlichkeit mit einem Viehscheid, denn die Lehrer werden in ein Gatter getrieben. Sie dürfen nur raus, wenn Moderator Niklas Fischer sie auf die Bühne bittet. Dort müssen manche, etwa stellvertretende Schulleiterin Susanne Jehl, in kurzen Sketchen mitspielen. Der Text ist von den Abiturienten vorgegeben und so werden humorvoll typische Unterrichtssituationen karikiert.
Deutschlehrerin Sabine Zischka muss ein Gedicht vortragen, ebenfalls mit einem Augenzwinkern von den Abiturienten auf ihren Unterricht gemünzt. Applaus und „Frau Zischka“ –Rufe der Schüler lassen erahnen, dass die Verfasser den Kern getroffen haben. Immer wieder ist der Schlachtruf „Abi eins zwei - wir sind frei“ zu hören, den schnell die ganze Halle mitschreit.

Knifflige Wettkämpfe und freche Spiele

Es gibt auch Wettkämpfe zu bestreiten. Mal muss Mathelehrer Karl-Heinz Mair im Wettschnupfen gegen Abiturient Daniel Biesenberg bestehen, mal müssen sich die Lehrer unter einer Bierbank hindurchhangeln, mal Bleistifte oder Spielkarten mit dem Mund weitergeben. Gerade letzteres Spiel gefällt durch den etwas frivolen Charakter.
Viel zu lachen haben Schüler und Lehrer, als Schulleiter Wilhelm Mooser versucht, mit verbundenen Augen an den Waden seine Lehrer zu erkennen. Er selber nimmt den Abigag mit Humor. „Seit langem mal wieder was, wo man sagen kann, das kann man von vorn bis hinten anschauen“, sagt er. Auch Lehrer Florian Schlereth ist zufrieden. Zwar hätten ihm die Wasserbomben – zu Beginn bekamen die Lehrer reichlich Nass ab – wenig zugesagt, doch ansonsten habe er den Abischerz nicht negativ erlebt.
„Mir hat alles gleich gut gefallen“, sagt eine Neuntklässlerin. Am besten „die Musik“. Die kam nicht vom Band, sondern von einer Band. Als Abidenkmal enthüllten die Absolventen eine Ziegelmauer mit ihren Namen auf den Steinen – passend zu den Bauarbeiten an der Schule.

Paul Schöne in der "Allgäuer Zeitung"





Alle Bilder von Paul Schöne mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung