Foto: Peter Schatz

Corona - eine Zwischenbilanz unserer Unter- und Oberstufenschüler

Die Corona-Pandemie brachte das öffentliche Leben seit Mitte März fast völlig zum Erliegen. Schulen und Geschäfte schlossen, ebenso Gaststätten und Kinos. Großveranstaltungen wurden abgesagt, die Grenzen dicht gemacht, Kontaktbeschränkungen unterbanden das Treffen mit Freunden und Verwandten, ganz schmerzlich traf es die älteren Menschen, die von ihren Kindern und Enkeln nicht mehr besucht werden durften. Wir haben zu Beginn und am Ende der Schulschließungen Schüler der Unter- sowie der Oberstufe gebeten, ihre Eindrücke über diese Zeit festzuhalten bzw. einen „Corona-Blog“ als eine Art Corona-Tagebuch zu führen. Gerade die Kinder- bzw. Jugendlichen-Sicht auf diese schul- und freundferne Zeit gewährt interessante Einblicke.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl von interessanten Tagebucheinträgen, Kommentaren, Blogs und Reflexionen über die Zeit des "Shutdowns" und der Schulschließung. Durch die vielen nachdenklichen, kritischen, humorvollen und eindringlichen Erfahrungsberichte unserer Schüler aus der 5./6. Jahrgangsstufe sowie der Q 11 entsteht ein vielschichtiges Bild einer schwierigen, außergewöhnlichen Zeit.

Redaktion: Claus Strunz und Thorsten Krebs

"Lockdown" - Marktoberdorf in Quarantäne

Den Anfang macht ein eindrucksvolles Video, das Maximilian Martin (Q11) mit seiner Drohne gefilmt hat.

Darin sieht man die Stadt Marktoberdorf in der Anfangszeit des Corona-Lockdowns aus den verschiedensten Perspektiven und Blickwinkeln: menschenleere Straßen, verwaiste Spielplätze und vereinzelte Autos auf den Straßen.
Marktoberdorf in Quarantäne, zwangsberuhigt mit reduziertem Pulsschlag. Bilder einer ungewohnten Ruhe, beklemmend und faszinierend zugleich.

Ein beeindruckendes Dokument einer außergewöhnlichen Zeit.

   

Erfahrungsberichte, Gedichte und Fotos aus der 5. und 6. Jahrgangsstufe

Die „Corona-Ferien“ waren nicht gerade das tollste Erlebnis, aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen. Ich habe eine neue Serie für mich entdeckt, habe mit meiner Familie viele Radtouren gemacht und mit meinem Bruder draußen im Garten Fußball gespielt. Trotz alledem haben mir Oma, Opa und meine Freunde gefehlt. Das sogenannte Homeschooling war leider kein Kinderspiel, man muss so viele Fächer an den verschiedenen Wochentagen abarbeiten. Wenn ich ehrlich bin, ist der normale Unterricht viel besser. Doch diese „Corona-Ferien“ werden immer in Erinnerung bleiben als schöne, aber auch schwierige Zeit!

Liebe Frau Keßler,
ich habe ein Corona-Fitness-Spiel entwickelt, weil ja leider Schulsport, Handball und Turnen und der ganze andere Freizeitsport seit Wochen nicht mehr stattfinden können. Kopien vom Spiel habe ich auch an meine Großeltern und an Freunde geschickt. Es ist wirklich anstrengend, macht aber auch Spaß. Eine Anleitung ist auch dabei. Vielleicht ist das ja etwas für das Corona-Memo.

Viele Grüße
Frieda Krebs

Das "Corona-Fitness-Spiel" samt Spielanleitung kann man sich unten in der Bildergalerie anschauen.

Quarantänetag 1 ...
… war noch ganz gut. Man hat sich gefreut, nicht in die Schule zu müssen.

Eine Woche später …
… war es schon ziemlich langweilig und man hat so langsam seine Freunde vermisst, und natürlich auch die Großeltern und Verwandten.

Nach einem Monat …
… prägte die Langeweile unseren Tag und es war grauenhaft. Man konnte, obwohl es schönes Wetter war, nichts mit Freundinnen ausmachen ☹.

Das einzig Gute an der Quarantäne war, dass man nun mehr Zeit mit den Eltern verbringen konnte. Das war sehr schön … Und man konnte seiner Kreativität freien Lauf lassen und sich Zeit nehmen… Und man konnte ganz viel mit den eigenen Hunden kuscheln.

Corona, das ist nicht der Hit
wir hoffen, wir bleiben alle fit.
Zuhause lesen, rechnen, schreiben,
ich hoffe, das wird nicht ewig so bleiben.

Die Freunde fehlen jeden Tag,
weil ich sie doch so gerne mag.
Jetzt schreiben wir halt über WhatsApp,
und rufen uns an, das ist sehr nett.

Die Eltern genießen die Zeit mit uns sehr,
doch manchmal geht es auch ziemlich heiß her.
Opa und Oma sind ziemlich weit weg,
aber sie chatten jetzt auch, gar nicht so schlecht.

Meine Familie ist gesund, Gott sei Dank,
und bald sitzen wir alle wieder zusammen auf einer Bank.

Die „Corona-Ferien“ waren am Anfang toll, doch dann wurden sie sehr langweilig. Man konnte Freunde und Familie nicht mehr treffen. Und wenn man sich kurz unterhalten wollte, dann nur mit Abstand. Manchmal vermisste ich die Schule sehr, auch die Lehrer und den Live-Unterricht. Um diese langweilige Zeit zu überbrücken, bekam ich ein Trampolin. Darauf hüpfte ich herum und ich las viele Bücher, sogar mehr als sonst. 

Die Corona-Zeit ist sehr kompliziert,
Schule wird zu Haus trainiert.
Man kann sich leider nicht oft sehn,
gelacht wird trotz alledem.

Man macht das Beste draus,
bleiben muss man aber im Haus.
Im Garten kann man spielen,
so geht es vielen.

Die Schutzmasken sind der neueste Trend,
sodass sie jetzt jeder kennt.
Für uns sind sie grad sehr wichtig,
bleibt weiterhin so tüchtig.

Besser gehen tut´s uns bald
durch den Zusammenhalt.
Drum haltet durch,
weiterhin keine Furcht.

Am Anfang fand ich die „Corona-Ferien" nicht so schlecht, weil ich dachte, diese Zeit wird nicht so lange dauern. Da habe ich mich aber mächtig geirrt, denn die „Corona-Ferien" sind dann doch länger ausgefallen, als ich dachte. Außer den Schulaufgaben wusste ich schon nach drei Wochen nicht mehr, was ich machen sollte. Denn nach mindestens 50 x Verstecken, Fangen und Brettspiele spielen, wurde es schnell sehr, sehr langweilig. Manchmal skypte ich mit Freunden und Familie und schaute fern. Aber mal ganz ehrlich, den ganzen Tag fernzusehen, wird mit der Zeit echt doof. Ja, da sieht man mal, wie wichtig und toll es eigentlich ist, in die Schule gehen zu können. Vor allem wegen des Kontakts mit anderen Mitschülern und Lehrern. Denn das Lernen macht mehr Spaß in der Gruppe, weil man sich gegenseitig helfen kann. Die Lehrer können den Schülern den Stoff so viel besser erklären, als wenn man alles alleine kapieren muss. Außerdem nerven in der Schule die kleineren Geschwister nicht.

In solchen schlimmen Zeiten,
wo manche weinen, wo manche streiten.
Wo niemand kann zur Schule gehen,
nein, auch Kitas sind mit Schlössern versehen.

Da ist niemand richtig heiter,
denn manche Leute sterben leider.
Die Zeit, ich weiß, ist für alle kein Hit,
doch ich bin mir sicher, danach sind wir wieder richtig fit.

Die Vögel zwitschern drauß‘ im Garten,
wahnsinnig viele verschiedene Arten.
Vögel beobachten find ich cool,
ich sitze dabei im Liegestuhl.

Masken hier, Masken dort,
Masken gibt's an jedem Ort.
Masken muss ich immer tragen,
alles muss man ganz laut sagen.

Beim Skypen konnte ich viel lachen,
und ‘ne Menge Blödsinn machen.
Skypen fiel mir gar nicht schwer,
dem Opa dafür umso mehr.

Schule geht jetzt wieder los,
das find‘ ich wirklich ganz famos.
Freunde konnt‘ ich wenig sehn,
deshalb muss ich jetzt schnell gehn.

Ich denke über die Corona-Zeit nach:
Was hab‘ ich gemacht? Was hab‘ ich getan?
Allein im Haus zu sitzen
und über den Arbeitsaufträgen zu schwitzen,
wehmütig auf die grünen Wiesen zu sehen
und trotzdem nicht mit den Freunden rauszugehen.

Ich male und spiele
allein den ganzen Tag.
Das wird mir langsam zu viel,
ich mag zurück meinen Alltag.

Vor Langeweile steht manchmal die Uhr still,
obwohl man diese am Liebsten weiterdrehen will.
Mama kramt das Exit-The-Room-Puzzle raus
und alle spielen mit - das ist ein Schmaus.
Doch endlich machen wir auch wieder Radl’touren,
so dass wir mindestens 100 km fuhren.

Die Schulaufgaben fallen zurzeit alle aus,
vorher waren sie für mich schon ein Graus.
Das Ökosystem kann sich wieder erholen,
den Hotels wird aber ihre Existenz gestohlen.
Wir fahren zum Schwimmen an den See
Das Hallenbad ist zu, das tut uns ganz schön weh.

Die Familie ist mehr beisammen,
wir spielen Siedler und Andor stundenlang zusammen.
Mit der Zeit kramen wir sogar alte DVDs heraus,
die Flintstones hallen nun durch unser Haus.

Doch irgendwann
wird es auch wieder gut.

Die Schule fängt an,
das macht uns Mut.

Es war manchmal blöd alleine, aber ich habe es ausgehalten und mir wurde nur gelegentlich langweilig. Ich habe in dieser Zeit das Zeichnen für mich entdeckt, außerdem habe ich häufiger meine Instrumente gespielt, weil ich mehr Zeit hatte. Leider habe ich auch Freunde, die Lehrer und auch das Zusammensein mit ihnen vermisst. Es war manchmal schwierig, Rückfragen an die Lehrer zu stellen.
Wir wollten in den Osterferien nach Wien, aber es ging nicht, weil man nicht reisen durfte. Zum Glück war aber meistens gutes Wetter und man konnte daheim nach draußen gehen.
Jetzt freue ich mich, wieder meine Schulfreunde und Klassenkameraden zu sehen, auch wenn ich wieder sehr früh aufstehen muss, um zum Bus zu kommen.

Der Unterricht fehlte einem mit der Zeit: mit Freunden und in Gruppen zu arbeiten und das gemeinsamen Lernen. Die Zeit des eigenen Lernens war fast doppelt so lang. Sie hat sich hingezogen wie Kaugummi. Es kam einem so vor, als würde man noch den Rest des Jahres zu Hause lernen. Gemein fand ich es von Nachbarn, dass sie die Regeln nicht eingehalten haben. Sie haben sich mit Freunden getroffen, Partys gefeiert.
Ich selbst habe mich nicht mit meiner Freundin treffen können. Wir haben unser gemeinsames Buch mit Video-Anrufen weitergeschrieben. Oma und Opa haben wir auch angerufen. Mit Video-Anruf natürlich. Mein Opa musste ins Krankenhaus. Nicht wegen Corona, aber meine Oma durfte ihn natürlich nur mit Abstand besuchen. Ich, meine Schwester, Mama und Papa durften natürlich nicht zu ihr, geschweige denn zu meinem Opa.

Viele Menschen haben panische Angst vor diesem Virus, vielleicht weil sie Eltern oder Verwandte haben, die dieses Virus haben oder bekommen könnten. Vielleicht auch, weil sie vorerkrankt sind. Aber das kann man nicht ändern. Man muss es akzeptieren. Manche Leute fühlen sich eingesperrt wegen der Beschränkungen, z. B. wenn sie einer 10-Quadratmeter-Wohnung leben. Manche nehmen das Virus nicht ernst und das ist nicht richtig.
Für mich war es komisch, weil man sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr treffen durfte. Ich habe mich zwar schnell damit abgefunden, aber es war nicht so, wie ich dachte. Kurz nachdem die Pandemie ausgebrochen war, hat man sich noch nicht mit Mundschutz in die Bank getraut. Jetzt ist es Pflicht geworden, und niemand schaut mehr komisch. Das Corona-Virus ist da und wird hoffentlich nicht lang bleiben. Aber wenn wir uns an die Regeln halten und Abstand halten, wird hoffentlich bald alles wieder normal

Wenn ich an das Lernen zu Hause in der Corona-Zeit denke, bin ich glücklich, weil man „Herr über sich selbst“ sein konnte und ausprobieren konnte, mehr Verantwortung für sich zu übernehmen. Ich war mit meiner Familie vor einer Woche bei meinen Großeltern. Mein Opa hatte vor einem Jahr einen Schlaganfall, und als wir mit Abstand ins Haus wollten, hat er versucht, uns zu umarmen. Das durfte er aber nicht. Meine Oma war darüber sehr traurig. Vor allem dieser Blick bleibt mir in Erinnerung. Man hat sich schon gefreut, die eigenen Kinder wiederzusehen, aber dann darf man sie nicht in die Arme schließen.

Am Anfang der „Corona-Ferien“ war mir überhaupt nicht langweilig, im Gegenteil. Das änderte sich aber mit der Zeit. In den neun Wochen hat mir die Schule schon etwas gefehlt, besonders in den letzten zwei Wochen. Mir ist aufgefallen, dass immer mehr Leute draußen waren. Meine Großeltern in dieser Zeit nicht zu sehen, fiel mir gar nicht so schwer, da ich sie jährlich so oder so nur einmal treffe, weil sie in der Türkei wohnen.

Die erste Woche zu Hause fand ich echt cool. Aber dass es so lange braucht, bis wir wieder in die Schule können, hätte ich nie gedacht. Ich vermisste die Schule und vor allem meine Freunde. Klar, war es schön, einmal auszuschlafen und lange aufzubleiben – aber lieber ist es mir, dass ich es nicht kann, und dafür meine Freunde und die Schule sehe. Außerdem ist es mir daheim langweilig geworden, weil ich nichts mit denen machen konnte, die mir am Herzen liegen, u.a. auch meine Oma.
Schön war, dass meine Familie und ich öfters am Lagerfeuer saßen und gesungen bzw. Gitarre gespielt haben. Dadurch habe ich das Gitarre-Spielen gelernt. Unter anderem habe ich auch viel gebacken, z.B. einen Käsekuchen für meinen Papa, oder Amerikaner.
Ich war dann wieder glücklicher, als ich in den Nachrichten gehört habe, dass die Geschäfte, zum Beispiel die Buchläden, wieder offen haben. Und ich bin fast schon schreiend aus dem Haus gelaufen, als ich mitbekommen habe, dass die Schulen wieder aufmachen. Andererseits fand ich auch, dass das Corona-Virus etwas Gutes hatte, z.B. hat man gesehen, wie wichtig einem die Schule und die Freunde sind, aber auch die Gesundheit. Und vor allem, wie schön es ist, eine Familie zu haben.
Was ich auch richtig toll fand, dass ich in den „Corona-Ferien“ Tante geworden bin. Mein Neffe heißt Elias und ich wäre am lieben die ganze Zeit bei ihm. Ich habe viel mit meinen Brüdern gemacht, z.B. bin ich mit meinem jüngeren Bruder Max Longboard gefahren. Ich bin viel Trampolin gesprungen und meine Schwester Ronja (28) hat uns oft besucht. Am Abend haben wir öfters einen Film angeschaut und sind spät ins Bett gegangen, weil man ja ausschlafen kann.

Da wir nicht mehr in den Urlaub fahren konnten, durften wir Wachteleier bestellen und diese in einem Brutautomaten ausbrüten. Das dauerte 17 Tage, dann schlüpfte das erste Küken. Es war so spannend, das zu beobachten. Die Küken sind danach nass und fix und fertig! Sie trocknen dann einen Tag im Brutautomaten, bis sie kleine flauschige Federbälle sind.
Dann zogen sie in ihr Kükenheim (Hasenkäfig) in unserer Stube um. Dort kuschelten sie sich alle unter der Wärmeplatte zusammen.

Wachteln sind die kleinsten Hühnervögel und wachsen am schnellsten, daher haben sie nach 4 Tagen schon Federkiele geschoben. Nach 9 Tagen hüpften sie schon für Flugversuche in die Höhe und nach fast zwei Wochen war ihr Federkleid fertig zum Flug! Nur der Kopf ist noch voller Flaum. Der restliche Flaum hängt am Ende der Federn und fällt nun beim Fliegen ab.
Ameisen und Fliegen lieben sie und es ist so niedlich, ihnen beim Picken und Fressen zuzusehen. Auch ihr erstes Grünzeug fressen sie einem aus der Hand. So werden die ansonsten recht scheuen Tiere zahm. Für ihren Stall draußen sind sie aber noch zu klein, sie brauchen noch viel Wärme, bis sie nach und nach in unseren Garten umziehen können. Mit 6 bis 8 Wochen fangen die Hennen schon an Eier zu legen! Die Eier sind, genauso wie sie selbst, sehr klein. 5 Wachteleier ergeben die Menge eines Hühnereis. Die Hähne legen aber keine Eier, sondern krähen dann. ;-) Das klingt wie ein Lachen.

Gerade jetzt, da wir nicht mit unseren Freunden spielen können, haben wir sehr viel Spaß mit ihnen. In der Bildergalerie könnt ihr eine unserer "Corona-Wachteln" anschauen.

Ich fand die Corona-Ferien eigentlich ganz schön. Es war halt blöd, dass man die Freunde nicht persönlich treffen konnte, aber wozu gibt es Face-Time? Langweilig wurde mir auch nur selten, da ich mein Zimmer jede Woche aufräumen musste. Ich habe auch ein neues Online-Spiel entdeckt, das ich immer mit meiner Freundin oder meinem Freund spielen konnte, nachdem ich es gelernt hatte. Trotzdem freue ich mich, wenn ich wieder in die Schule kann.

Keine Proben, Schule daheim,
Was kann eigentlich schöner sein?
Nur meine Freunde gehen mir ab,
Jetzt weiß ich erst, wozu ich sie hab!

Hoch die Hände, Wochenende,
Die Ausgangssperre hat ein Ende!
Endlich darf ich wieder raus,
Ohne Grund jetzt aus dem Haus.

Es ist auch gut, wieder in die Schule zu gehn,
Da kann man den Stoff viel besser verstehn!
Homeschooling hin oder her,
So eine Zeit gibt‘s hoffentlich lang nicht mehr!

Gedanken

Die ganze Welt steht Kopf.
Warum?
Gab es so was schon mal?
Es ist ein Virus – Covid19 -
Er hält alle in Atem.
Die ganze Welt steht Kopf.

Wir alle müssen zu Hause bleiben.
Wir haben keine Schule mehr.
Wir dürfen keine Freunde treffen.
Wir dürfen die Oma nicht besuchen, zum Schutz.
Die ganze Welt steht Kopf.

Die Familie rückt näher zusammen:
spielen, lachen, streiten, essen,
zu Hause arbeiten.
Die ganze Welt steht Kopf.

Es ist eine ruhige Zeit und
trotzdem seltsam – wegen des Virus.
Ich hoffe, es wird bald alles wieder gut,
um Freunde, Lehrer und meine Oma wieder
treffen zu können und
ohne Einschränkungen Unternehmungen zu machen.

Lass die Welt nicht mehr auf dem Kopf stehen!

16. 03. 2020 → Donald Trump will Firma kaufen, die den COVID-19 Impfstoff entwickeln.
Diese Nachricht ist interessant, da sie Europa sehr stark beeinflussen könnte.

17. 03. 2020 → Robert-Koch-Institut stuft Gefährdungslage in Deutschland als „hoch“ ein.
Diese Meldung bewirkt, dass man sich vorstellen kann, was auf einen zukommt.

18. 03. 2020 → Zahl der Intensivbetten soll verdoppelt werden.
Ich finde das könnte eine sehr große Hilfe werden, außerdem finde ich sehr bemerkenswert, wie schnell sich die Anzahl der Kranken verdoppelt hat.

19. 03. 2020 → Europäische Zentralbank (EZB) beschließt Notfallprogramm in Höhe von 750 Milliarden Euro.
Ich finde das sehr gut, da befallene Betriebe damit keine Sorge um ihre Existenz mehr haben sollten.

20.03.2020 → Donald Trump sagt G-7-Gipfel in Camp David ab.
Diese Meldung zeigt, wie problematisch die Lage ist.

21.03.2020 → Bundesregierung will Mieter schützen.
Das finde ich sehr lobenswert, da viele nun keine Angst um ihre Wohnung haben müssen.

22.03.2020 → Merkel verkündet per Videokonferenz bundesweite Maßnahmen.
Ich finde das wichtig zu wissen, da in dieser Konferenz bestimmt viele wichtige Maßnahmen verkündet worden sind.

23.03.2020 → Kabinett beschließt Rettungspaket, um die Folgen von COVID-19 zu mindern.
Viele können das Geld in so einer Pandemie brauchen.

24. 03. 2020 → COVID-19 in Indien: 1,3 Milliarden Menschen haben Ausgangssperre.
Es ist eine merkwürdige Vorstellung, wenn man überlegt, wie leer die Straßen in den indischen Städten dann aussehen werden.

25. 03. 2020 → WHO testet sechs Wirkstoffe gegen COVID-19.
Diese Nachricht zeigt, wie aktiv man sich bemüht, einen Impfstoff zu finden.

26. 03. 2020 → Seehofer gegen das schnelle Lockern der Ausgangsbeschränkung.
Diese Nachricht entspricht nicht meiner eigenen Meinung, da ich denke, dass die Infektionszahlen stark zurückgegangen sind.

27. 03. 2020 → USA wird zu dem Land mit den meisten Infizierten. (85.000)
Das finde ich sehr interessant, da Donald Trump gleichzeitig behauptet, dass COVID-19 harmlos ist.

28. 03. 2020 → Großkonzerne (Adidas , H&M , … ) wollen keine Miete mehr zahlen.
Diese Meldung finde ich ein bisschen beschämend, da diese Firmen nicht so stark von der Krise betroffen sind, dass sie keine Miete mehr zahlen können.

29. 03. 2020 → Neuer Termin für Olympia.
Diese Nachricht interessiert mich, da ich mich schon seit längerem frage, wann Olympia dann stattfindet.

30. 03. 2020 → Bayern verlängert Ausgangsbeschränkung bis 19. April.
Das betrifft mich unmittelbar.

31.03.2020 → Bayern erwägt Maskenpflicht nach der Ausgangssperre.
Diese Maßnahme betrifft uns ebenfalls alle.

01. 04. 2020 → Donald Trump schwört USA auf „ zwei schmerzhafte Wochen“ ein.
Ich glaube, dass Corona bei uns nicht so ein Ausmaß hatte.

02. 04. 2020 → UN-Klimakonferenz in Glasgow wird verschoben.
Das finde ich schade, da das ein sehr wichtiger Termin war.

03. 04. 2020 → Mehr als 1 Million Infizierte weltweit
Das ist besorgniserregend, wenn man überlegt, wie viele es noch vor einem Monat waren.

   

Corona-Blogs der 11. Jahrgangsstufe

Corona-History
Wir haben in Deutschland seit dem 27.01.2020 den ersten bestätigten Corona-Fall. Seitdem steigen die Zahlen unkontrolliert in die Höhe. Egal wo - ob auf den Bahamas, Namibia, USA, Paraguay, Mauritius, Iran, Peru, Russland, Deutschland oder Australien - überall ist das neuartige Virus zu finden. Mittlerweile hat es sogar soweit geführt, dass die komplette Welt stillsteht. In einigen Ländern wurde eine Ausgangssperre verhängt, in den anderen eine Ausgangsbeschränkung.

Schulen wurden größtenteils geschlossen: weltweit. Firmen müssen schließen, da die Produktion nicht mehr zustande kommt oder das Coronavirus sich dort ausgebreitet hat. Eins davon trifft immer zu. In Deutschland haben alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte geschlossen, Frisöre dürfen nicht mehr arbeiten. Die Fußgängerstraßen sind komplett leer. Vor dem Eiffelturm in Paris oder auf dem Times Square in New York: Menschenleere. Das öffentliche Leben wird auf das Minimum heruntergefahren. Doch es gibt auch das Gegenteil…

Die Krankenhäuser und Arztpraxen sind rammelvoll. Alle Pflegeheime und Einrichtungen laufen auf Hochtouren weiter.

Wohin soll das alles führen?
Zuerst hörte man in den Medien immer nur von einzelnen positiv getesteten Betroffenen. Danach wurden es hunderte, dann tausende und dann hunderttausende. Auf die Millionen gehen wir gerade zu. Aber sind wir doch mal ehrlich: Die Dunkelziffer betrifft weitaus mehrere Millionen Menschen. Die Todeszahlen steigen auch rasant. In Spanien und Italien sind es zum Teil über 800 gemeldete Todesfälle an EINEM Tag!

Nun, erst einmal zu mir:
Ich bin eine 18-jährige Schülerin aus einem kleinen Dorf in Bayern. Ich gehe in die 11. Klasse eines Gymnasiums und führe ein Leben wie es viele andere es tun: ich gehe feiern, verbringe viel Zeit mit meinen Freunden und Familie und gehe meinen Hobbies nach. Naja, alles andere als ein stilles Leben. Doch was passiert mit einem, wenn man das alles auf einmal beenden muss? Keine wilden Partys mehr, nicht mehr mit den Freunden essen gehen, keine Schule, und kein „ich geh mal schnell zu meiner Freundin“? Alles verboten!

Nach den Faschingsferien wartete jeder nur noch auf die „Corona-Ferien“. Jedoch mit gemischten Gefühlen. Es war nicht so, wie wenn die Sommerferien auf einen zu kommen, sondern es beunruhigte einen, dass vielleicht sogar wegen einem weltweiten Seuchen-Ausbruch die Schulen flächendeckend zu machen. Man hörte es überall - im Radio, im Fernsehen, in den Sozialen Netzwerken, in Zeitungen etc. - aber dass das jetzt auch bei uns ist? Im Allgäu? Schwer vorstellbar. Aber so kam auch der Tag, an dem beschlossen wurde, dass in Bayern alle Schulen für mindestens drei Wochen geschlossen werden plus zwei Wochen Osterferien. Ein bisschen Freude war schon dabei: Man kann ausschlafen! Naja, bei mir heißt das bis halbneun, aber immerhin! Und man muss nicht jeden Tag für die Schule lernen. Aber komisch war es trotzdem. Was kommt da nur auf uns zu? Ich weiß es bis heute immer noch nicht. Und ich glaub das wird sich auch nicht schlagartig ändern.

1. Woche
Es ist nun soweit: Auf einmal ist Freitag, Freitag der 13. Jeder hat es schon gewusst, aber in der Schule kam auch die Durchsage, dass wir nun fünf Wochen schulfrei haben. Mitten im März? Und das auch noch deutschlandweit! Was zur Hölle passiert hier? Naja, Ferien hören sich ja trotzdem gut, denn man kann sich auch mal um andere Sachen kümmern. Und so kam das Wochenende. Samstag habe ich nachts meine beste Freundin von einem Geburtstag abgeholt, und habe während dem Autofahren Bauchschmerzen bekommen. Und so lag ich am nächsten Tag mit Bauchschmerzen und hohem Fieber im Bett. Ich war mir sofort sicher, dass ich mir nicht das Corona Virus eingefangen habe, sondern wieder diese dämliche Harnwegsinfektion haben werde, wie ich schon Anfang Dezember und an Weihnachten hatte. Somit dufte ich dann zum Arzt gehen, aber nach ein paar Tagen Antibiotikum hat sich es auch wieder einigermaßen beruhigt.

Ende der Woche kam dann die Schocknachricht, was aber eigentlich auch vorhersehbar war: in Bayern wird eine Ausgangsbeschränkung verhängt. Dann war es das wohl, dass man sich mit seinen Freunden treffen kann. Plan B musste her.

2. Woche
Es ist zwar eine schulfreie Zeit, aber keine lernfreie Zeit. Also ran an die Schulsachen: Deutsch, Englisch, Mathe und Biologie, aber es ist alles machbar. Und das Schöne daran ist, man kann es sich selber einteilen, wann man die jeweiligen Aufgaben bearbeiten will. Egal ob um 8 Uhr in der Früh, mittags oder abends um 22 Uhr. Es ist auch egal, ob man noch mit Jogginghose und Hoodie am Computer sitzt, es sieht einen ja auch keiner außer den Eltern. Strahlend blauer Himmel-aber wo sind nur die Flugzeuge???

3. Woche
"Juhu, die letzte Woche vor den Ferien“- genau das würden jetzt viele Schüler sagen, aber im Jahr 2020 ist das anders. Man hatte schon seit zwei Wochen keinen Unterricht mehr, und es liegen einem mindestens noch drei weitere Wochen vor einem, wenn nicht sogar noch mehr.

Aber das Schlimmste für mich ist, dass Donald Trump vor ein paar Wochen ein Einreiseverbot für alle Europäer in die USA erteilt hat. Somit fällt auch unser Urlaub flach. Millionen Menschen können ihren Urlaub nicht antreten, oder müssen diesen abbrechen. Immer mehr Flüge werden gestrichen und Hotels müssen schließen. Die komplette Tourismusbranche bricht zusammen. Viele Firmen melden Kurzarbeit an. Büros schließen, dafür machen alle Homeoffice.

Zitat von meiner besten Freundin und mir im Februar: „Spätestens, wenn wir Corona-Ferien haben, machen wir uns einen eigenen Netflix-Account!“. Und das ist auch sehr schnell passiert. Nun hat man ja auch Zeit, einen Serien-Marathon zu starten. Wenn nicht jetzt, wann dann? Normalerweise schaue ich kaum Fernsehen oder ähnliches, aber jetzt bietet es sich gut an, also warum nicht?

Zum Glück darf man noch zu seinem Pferd, da aufgrund des Tierschutzgesetztes die Bewegung und Verpflegung des Pferdes gewährleistet werden muss. Also ab zum Pferd! An sich ist dort alles normal, bis auf das, dass man sich vorher per WhatsApp anmelden muss. Wenigstens ein bisschen Normalität in Corona-Zeiten. Da Spazieren gehen auch erlaubt ist, vertreibe ich mir die Zeit mit meinem Hund in der Natur.

Nun sind auch die Osterferien vorbei. Es sind mindestens immer noch drei weitere Wochen, in denen die Schule für uns noch geschlossen ist. Zum Glück ist seit dem 20.April das Treffen mit einer nicht im selben Hausstand lebenden Person offiziell erlaubt. Dann kann man seine besten Freunde endlich wieder sehen! Also den Hund an die Leine und los geht’s spazieren!

Gedanken:

Wenn ich mit meinen Freunden rede, denken wir oft über das nach, was zur Zeit ohne Pandemie wäre. Ich wäre wahrscheinlich frisch gebräunt und glücklich aus meinem Urlaub zurück, und am ersten und zweiten Wochenende wäre go-to-Gö - Das Herz der Görisrieder. Darauf freute man sich eigentlich schon das ganze Jahr, doch dass dies heuer ausfällt, hätte keiner gedacht. Das bringt meinen ganzen Jahresrhythmus durcheinander!

Altenheim in Corona-Zeiten
Da die Schulen nun ja weiter geschlossen bleiben, habe ich mich entschlossen, schon früher wieder arbeiten zu gehen. Daher arbeite ich demnächst wieder als Pflegehelferin im Allgäu-Stift-Altenheim in Kempten. Ich arbeite nun schon seit ein paar Tagen im Marienpark Kempten. Super Mitarbeiter und Bewohner. Nur der Mundschutz nervt ziemlich: man bekomm kaum Luft, die Bewohner verstehen einen kaum und dazu ist er meiner Meinung nach total sinnlos, denn wenn einer der Mitarbeiter mit Corona infiziert ist, würde er auch mit Mundschutz die Bewohner anstecken, weil wir einen sehr engen Körperkontakt mit ihnen haben. Auch die Bewohner beschweren sich schon bei uns, dass wir bitte den Mundschutz weglassen sollen.

Von über 140 Bewohnern müssen die meisten größtenteils auf ihren Zimmern bleiben, aber sie dürfen in den Garten. Die dementen Bewohner dürfen an ihren Einzeltischen dennoch im Gemeinschaftsraum sitzen, denn diese sind kaum in der Lage, die aktuelle Situation zu verstehen. Angehörige dürfen über Skype oder persönlich über den Gartenzaun kontaktiert werden. Ich habe es mir viel strenger vorgestellt, als es tatsächlich ist. Doch was ich das Erschreckendste finde: in den elf Häusern des Allgäu-Stifts gibt es keinen bekannten Corona Fall bei einem Bewohner oder Mitarbeiter…

Es stimmt hier keineswegs, dass die Pflegekräfte überlastet sind. Es stimmt nur vereinzelt! Im Altenheim haben sich sogar Krankenpfleger beworben, da sie selber keine Arbeit mehr hatten. Und Krankenhäuser wurden sogar geschlossen, weil sie kaum noch Patienten haben, da bin ich mal gespannt, wie es wird, wenn man alle Operationen nachholen muss…

Innerhalb der acht Wochen ohne Unterricht habe ich sehr viel Zeit für andere Sachen gefunden. Ich bin viel mit meinem Pferd Gino oder meinem Hund Baby Lou draußen gewesen.

Mittlerweile sind fast acht Wochen vergangen, in denen ich die Schule nicht mehr besucht habe. Auch Partys und Freunde in Gruppen treffen gibt es zurzeit nicht. Doch ich muss zugeben, dass mir die zwei Monate echt gutgetan haben! Die Schule und das Lernen haben nicht mehr meinen Alltag übernommen, sondern ich selber. Viele Menschen würden meinen, dass es einem sehr langweilig wird, aber das ist bei mir überhaupt nicht der Fall. Meistens stehe ich zwischen acht und neun Uhr auf und gehe um elf Uhr schlafen. Ich war sehr oft größere Runden, vor allem bei Sonnenaufgang und -untergang, spazieren - alleine, mit meiner Mutter oder mit Freunden. Mit meinem Pferd habe ich auch öfters einen Ausritt gestartet. Auch den Gitarren-Unterricht von mir und meinem Vater konnten wir zum Glück online fortsetzten. Der Garten und der Haushalt macht sich natürlich auch nicht von alleine und einkaufen war auch meistens ich. Ich habe die Zeit wirklich sehr genossen!

Wie es nun wirklich weiter geht, werden wir sehen… und ich bin sehr gespannt, wie es sein wird, wenn man in einem Jahr am Küchentisch mit der Familie sitzt… gibt es Corona überhaupt noch?

Carina Nißlbeck Q11

13. März:
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder verkündet die Schließung aller Schulen in Bayern ab dem kommenden Montag.
Eigentlich wären in nächster Zeit viele Klausuren angestanden und ich hätte viel Stoff lernen müssen. Ich frage mich, wie lange die Schulschließung dauern wird und wie uns Schülern der ganze Stoff beigebracht werden soll. Ich bin aber auf jeden Fall froh nicht selbst dieses Jahr mein Abitur schreiben zu müssen. Ich hoffe, dass die Schüler der Q12 trotzdem ein faires Abitur erreichen können.

16. März:
Heute ist der Geburtstag meines Opas. Aber anstatt, dass sich die ganze Familie trifft um seinen 70. Geburtstag zu feiern, konnten wir ihm alle leider bloß per Telefon gratulieren. Ich finde es echt frustrierend, dass man in dieser Zeit solche bedeutenden Ereignisse nicht feiern kann. Trotzdem muss man einfach darauf achten sich selbst und noch viel mehr andere vor einer möglichen Infektion zu schützen. Vor allem wenn es sich schon um ältere Menschen handelt, deren Körper das Virus wahrscheinlich nicht überleben würden.

20. März:
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder beschließt Ausgangsbeschränkungen für ganz Bayern ab Mitternacht.
Ich hatte mich schon an die schulische Arbeit daheim gewöhnt und fand es bis hierhin echt spitze, dass ich mir jetzt selbst den Stoff schneller beibringen kann, auch wenn auch nicht so gründlich. In vielen Nebenfächern gibt es jedoch keine Hausaufgaben. Dadurch habe ich zusätzlich noch mehr Freizeit. Bis zu diesem Tag konnte ich diese Freizeit noch nutzen und mit Freunden etwas unternehmen. Jetzt habe ich die Freizeit, die ich während der Schulzeit stark vermisse, kann diese aber nicht mit meinen Freunden verbringen. Somit ist die ganze Zeit, die ich jetzt habe, nur für wenig zunutze. Aber nur wenn alle die Regeln strikt einhalten, kann der Virus eingedämmt werden.  

28. März:
Heute wäre das Bockbierfest in Oberthingau gewesen. Obwohl sich unsere Musikkapelle schon wochenlang musikalisch darauf vorbereitet hatte, musste das Fest natürlich abgesagt werden. Normalerweise hätte ich den Tag noch mit dem Aufbau der Festhalle zusammen mit meinen Musikkollegen verbracht. Stattdessen habe ich zusammen mit meinen Brüdern Holz gespalten. Ursprünglich hätte auch unser Onkel mitgeholfen, aber um möglichst wenig Kontakt zueinander zu haben, hat er nur das Holz vorbeigebracht.

15. April:
Wegen einer Störung ist in unserem Wohnviertel das Internet ausgefallen. Dadurch habe ich fast zwei Tage lang ohne mein Handy verbracht und es war echt schön mal komplett herunterzufahren. In diesen zwei Tagen bin ich ausschließlich produktive Aufgaben, wie den Garten umzugraben oder eine große Fahrradtour zu machen, angegangen. Am Abend habe ich gemerkt, dass ich nach einem so langen und anstrengenden Tag erschöpft ins Bett falle und um Welten besser schlafen kann, im Gegensatz zu den anderen Tagen in denen ich viel Zeit im Haus verbringe.    

5. Mai:
Nachdem ich von meinem Musiklehrer mein Stück für das zweite Vorspiel bekommen habe, wurde mir klar, dass ich trotz meines eigenen Eifers zu üben, meinen Instrumentallehrer brauche um mich angemessen für das zweite Vorspiel vorzubereiten. Da mein Lehrer aber auch gerade in seinem Zuhause verweilt ohne es verlassen zu können, mussten wir unseren Unterricht über das digitale Format wieder aufnehmen. Nachdem wir uns auf das Programm „Zoom“ geeinigt haben, mussten wir noch vor dem eigentlichen Unterricht eine knappe halbe Stunde damit verbringen die richtige Sound-Einstellung zu finden. Da aber weder er noch ich unter Zeitdruck standen, war das für uns beide kein Problem, sondern eher die Möglichkeit sich ein bisschen von der jeweiligen Situation zu erzählen.

8. Mai:
An diesem Tag hatte ich einen Friseurtermin. Meine langen Haare hatten mich schon fast zur Weißglut gebracht. Beim Friseur musste ich eine Schutzmaske tragen und mir die Haare waschen lassen, was eine vollkommen neue Erfahrung für mich war. Aber ich muss sagen, dass es sich trotz den Umständen für mich gelohnt hat zum Friseur zu gehen.

Allgemein:
Das waren jetzt die ereignisreichsten Tage in meiner Zeit daheim. Allgemein konnte ich meine freie Zeit sonst nur mit Sport und Musik vertreiben, da ich ja anderweitig keinen Kontakt mit meinen Freunden haben konnte. Da mein Bruder in meinem Zimmer sein Homeoffice eingerichtet hat, musste ich jeden Tag um 7 Uhr aufstehen, wodurch ich die schulischen Aufgaben immer zu normalen Unterrichtszeiten durchgearbeitet habe. Somit bin ich nicht in eine Art Ferien-Modus gefallen. In den ersten zwei Wochen habe ich die neue freie Zeit noch sehr genossen, aber danach habe ich es immer mehr vermisst etwas mit anderen Leuten zu unternehmen und war sehr frustriert diese freie Zeit nur allein nutzen zu können. Während den letzten Wochen habe ich oder einer meiner Brüder für unsere Großeltern das Brot gekauft, damit diese ihr sicheres Umfeld auf ihrem Bauernhof, nicht verlassen mussten. Für das Brot bekamen wir dann immer Eier von den zahlreichen Hühnern, die sie halten. 

Nach dieser langen Zeit daheim freue ich mich endlich wieder meine Freunde in der Schule zu sehen.

Dominik Rösel ( Q11)

Googelt man den Begriff „Corona-Virus“, dann werden 2.970.000.000 Ergebnisse angezeigt (Stand: 24. Mai 2020). Aber das Corona-Virus breitet sich nicht nur im Internet wie ein Lauffeuer aus, es greift auch in unser aller Leben ein wie nichts davor. Hier also ein paar Eindrücke aus dieser „besonderen“ und (hoffentlich) einmaligen Zeit.
P.S: Ich habe absichtlich keine Zusammenfassung meiner vergangenen Wochen (in Form eines Tagebuchs o. Ä.) geschrieben, da ich nicht vorhabe, den Leser zum Einschlafen zu bringen. Aber jetzt viel Spaß beim Lesen!!!

Blogeintrag #1 oder: Und täglich grüßt das Murmeltier
Mehr als einmal denselben Tag erleben und in einer Art Zeitschleife feststecken. Ein Phänomen, das in vielen Filmen und Serien verwendet wird. Nicht nur für den Protagonist des Filmes, sondern auch für den Zuschauer eine wirklich nervtötende Angelegenheit. Normalerweise sind das genau die Filme, in denen ich nach spätestens zwei Wiederholungen desselben Tages umschalte, ausschalte oder völlig abschalte.
Und jetzt scheine ich mich selbst in dieser misslichen Lage zu befinden. Jeder Tag in der Corona-Ferien-Zeit ist bisher völlig gleich verlaufen. Es gibt weder Ablenkung noch Abwechslung, man lebt in seiner eigenen kleinen Blase so vor sich hin, ohne dass etwas passiert.

Was für ein Wochentag ist, weiß wohl niemand mehr und auch mein Zeitgefühl ist (zum Teil auch dank der Zeitumstellung) völlig im Eimer. Hinzu kommen noch die Gespräche, die sich, egal ob zuhause, im Supermarkt, im Radio, in der Nachbarschaft, auf WhatsApp oder im Fernsehen, alle um dasselbe Thema drehen: Das  Corona-Virus und seine Folgen für die Schulen, die Olympischen Spiele, die Wirtschaft, die Weltpolitik, die Autokonzerne, die familiäre Situation, die Nudel- und Klopapier-Industrie.
Das Unfaire ist, dass die Protagonisten in den oben genannten Filmen immer irgendwie die Möglichkeit haben, aus ihrer Zeitschleife zu entkommen und ihrem Horror-Trip ein Ende zu setzen.
Diese Möglichkeit haben wir (leider) nicht. Und so wird es wohl noch eine ganze Zeit so weiter gehen. Ganz nach der Devise: „Und täglich grüßt Corona“

Blogeintrag #2 oder: Zum Thema Solidarität
Im Moment scheint nichts wichtiger und richtiger zu sein als Solidarität. Man besucht seine Großeltern nicht, man hält zu seinen Mitmenschen im Supermarkt möglichst viel Abstand, man desinfiziert sich gefühlte 100-mal am Tag die Hände und geht für ältere Leute einkaufen.
Alles begrüßenswerte Maßnahmen, um sich und seine Mitmenschen zu schützen. Dennoch finde ich nicht, dass wir irgendein Recht darauf haben, groß von Solidarität zu reden, wenn man sich anschaut, wie unglaublich unsolidarisch Deutschland sich gegenüber anderen Menschen verhält.
Denn es scheint schon ein wenig heuchlerisch zu sein, wie krass man im eigenen Land durchgreifen kann, aber Menschen, die zu Tausenden unter menschenunwürdigen Bedingungen in Flüchtlingslagern leben müssen, wo das Corona-Virus wirklich fatale Folgen hätte, nicht helfen will, sondern sie ihrem sicheren Schicksal überlässt.
Wir reden von „neu gewonnener Solidarität“ und einem „ganz neuen Gemeinschaftsgefühl“ und denken dabei nur an uns selbst. Wir regen uns darüber auf, dass wir daheimbleiben müssen, während andere Menschen dieses „Daheim“ überhaupt nicht haben. Wir reagieren panisch, wenn wir sehen, dass die Nudeln und das Klopapier ausverkauft sind und denken nicht darüber nach, wie es wäre, gar keine Grundversorgung mehr zu haben.
Und trotz alledem fällt uns nichts Besseres ein, als gerade einmal 47 von tausenden Flüchtlingen zu helfen und dann von „Symbolakt“ und „EU-Werten“ zu sprechen. Das ist nicht nur lächerlich, das ist beschämend. Und auch richtig solidarisch.

Blogeintrag #3 oder: Familienalltag zu Corona-Zeiten
Das Corona-Virus stellt nicht nur die Wirtschaft auf eine harte Probe, sondern auch das Familienleben. Denn es gibt wohl wahrlich angenehmeres, als mit den verschiedensten Altersklassen zusammen auf engstem Raum zu leben – für fünf Wochen und länger!!!
Ein Beispiel veranschaulicht meine Situation:

Tag 21 der Corona-Ferien/20.30 Uhr
Wie jeden Abend gibt es eine große Debatte darüber, welchen Film wir anschauen sollen. Während mein Bruder sich für „Deadpool“ (ein Superhelden-Action-Film) ausspricht, ist meine Schwester – wie könnte es anders sein - für „Bibi und Tina“. Aber wie jeden Abend setzt sich meine Schwester irgendwie durch. Während also Bibi und Tina auf ihren Pferden Amadeus und Sabrina singend über den Fernsehbildschirm galoppieren, denke ich ziemlich betrübt daran, dass ich ohne Corona jetzt mit meinen Freunden im Kino sitzen und den neuen James-Bond-Film, der heute angelaufen wäre und auf den ich mich schon seit Monaten gefreut habe, anschauen würde.  Ohne das Virus würden wir morgen außerdem Mathe-Klausur schreiben.

Blogeintrag #4 oder: Homeschooling? Nein Danke!
Zugegeben: Am Anfang der „Corona-Ferien“ fand ich die Vorstellung, völlig selbständig zu lernen, gar nicht so schlecht. Im Studium muss man sich einen Großteil des Stoffes schließlich auch selber erarbeiten und dann zu lernen, wenn man am produktivsten arbeitet (was bei mir definitiv nicht am Morgen um 8 Uhr ist), kann ja auch ganz „cool“ sein.
Mittlerweile wurde ich eines Besseren belehrt.
Dies liegt allerdings nicht unbedingt daran, dass der Unterrichtsinhalt nicht gut vermittelt wurde (soweit das digital möglich ist) oder die Kommunikation nicht funktioniert hat, der Großteil meiner Lehrer hat das „gut“ bis „sehr gut“ gemeistert.

Obwohl die Homeschooling-Methoden der einzelnen Lehrer sich sehr gut mit den Maßnahmen der einzelnen Bundesländer im Kampf gegen Corona vergleichen lassen: Jeder macht etwas anderes. Das Problem liegt dennoch eher an mir. In Fächern, die ich mag, lerne und arbeite ich noch halbwegs motiviert mit, obwohl die Präsenz der Lehrkraft schon fehlt. Und mir kommt zudem zunehmend der Gedanke in den Kopf, warum und für was ich das jetzt eigentlich lerne, denn ob und wann Klausuren stattfinden, ist völlig unklar, und auch, ob dieses Halbjahr überhaupt normalgewertet und  im Abi abgefragt werden kann, ist fraglich. Noch schlimmer ist es in Fächern, die ich nicht so gerne mag, in meinem Fall vor allem die MINT-Fächer. Meine Motivation ist von Anfang an ganz weit unten und dass ich nur Chinesisch verstehe, wenn ich mir den Stoff anschaue, ist auch nicht besonders hilfreich.  So schiebe ich das meiste auf Morgen, was dank der Ungewissheit, wie lang die Corona-Ferien gehen, sehr gut funktioniert. Und ganz ehrlich: Langsam, aber sicher wäre Schule schon wieder angebracht.

Blogeintrag #5 oder: „Wenn sie will, dann kann die Welt“*
Das Corona-Virus hält die Welt in Atem. Kein Flugzeug am Himmel, keine Schule, kaum Verkehr, Kurzarbeit und Kontaktbeschränkung. Es wird deutlich: Wenn die Menschheit sich direkt bedroht fühlt, kann sie handeln – egal, was für Opfer dieses Handeln nach sich zieht. Dann verstehe ich allerdings eines nicht ganz: Wie kann ein Virus, das den Menschen erst seit knappen vier Monaten bedroht, größere Folgen nach sich ziehen als ein Phänomen, das der Menschheit schon seit  Jahrzehnten bekannt ist? Wie kann es sein, dass Corona uns dazu verleitet, panisch Nudeln und Klopapier zu hamstern, während der Klimawandel, der eine durchaus größere Bedrohung für uns darstellt, zu gar nichts führt, außer dass wir ihn teilweise immer noch leugnen?
Wie kann es sein, dass die Politik wegen des Corona-Virus den Ausnahmezustand ausruft, aber von erneuerbarer Energie nichts hören will?
 Und genau das zeigt uns Corona: Wenn wir wollen, können wir extreme Maßnahmen durchsetzen, können uns ohne Wenn und Aber daran halten und können so das Schlimmste verhindern. Wenn wir das beim Corona-Virus schaffen, warum dann nicht auch beim Klimawandel?

*Die Überschrift ist übernommen aus dem Gedicht „Die Corona-Lehre“ von Thomas Gsella, das übrigens äußerst lesenswert ist.

Blogeintrag #6 oder: 10 positive Dinge an Corona
Um nicht völlig in schlechter Laune und Pessimismus zu versinken, versuche ich hier nun zehn für mich positive Dinge, die Corona mit sich gebracht hat, aufzuschreiben.

  1. Es kommt kein Fußball im Fernsehen.
  2. Mein Zimmer ist aufgeräumt (mehr oder weniger ...).
  3. Ich kann endlich meinen Eulen-Biorhythmus ausleben und muss kein erzwungenes Lerchen-Dasein mehr führen.
  4. Ich habe Zeit zum Lesen.
  5. Der Himmel war noch nie so blau und flugzeugfrei.
  6. Die Vorfreude auf die Schule war nie größer.
  7. Mit Mundschutz sehen alle aus wie Marsmenschen oder Bankräuber (oder wie eine Mischung aus beidem).
  8. Ich habe ziemlich sicher einen neuen Rekord im YouTube-Video-Schauen aufgestellt.
  9. … und im Filme und Serien-Schauen auch.
  10. Dem Stress der Klausuren-Phase bin ich fürs Erste entgangen.

Blogeintrag #7 oder: Donald, Boris und das Corona-Virus
Wenn die führenden Wissenschaftler, Ärzte und Mediziner versagen, halten diese beiden die Stellung. Während sich der britische Premier-Minister Johnson im Angesicht des Todes vom Krankenbett weiterhin tapfer um die Regierungs-Geschäfte kümmert, verblüfft US-Präsident Trump die besten Ärzte des Landes, denn er scheint eine Art medizinisches Superhirn zu sein. Ausgestattet mit einem magischen Schutzschild in Form eines Büschels blonden Haares kann weder Pest noch Cholera noch COVID-19 diesem Duo die Stirn bieten.
Unvergleichlich und gnadenlos hätten sie ihre Ziele wie den Brexit und einem „great, great  wall“ durchgesetzt und wären damit in die Geschichte eingegangen, aber leider hat Corona ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Was also tun?
AUF GAR KEINEN FALL sollten das britische Gesundheitssystem verbessert und strenge Maßnahmen durchsetzt werden, die wackeren Inselbewohner stecken so einen läppischen Virus doch locker weg.  Ach was, schon 215.000 Infizierte? Das muss daran liegen, dass der Earl-Grey-Tee vom europäischen Festland importiert wurde, jede Wette.

Und wie sieht es in den USA aus?
Unser Super-Hirn ist in seinen Prognosen leider nicht ganz eindeutig. So kündigte er am 10.02. noch an, der Virus würde auf wundersame Weise verschwinden, wenn es wärmer würde. Doch bereits am 17. 03. meinte das amerikanische Orakel-Wunder, er hätte es schon vor langer, langer Zeit im Gefühl gehabt, dass Corona sich zu einer Pandemie entwickeln würde. Nur knappe zehn Tage später prophezeite Trump, wenn weniger als 100. 000 Menschen im ganzen Land sterben, hätte die Regierung einen guten Job gemacht. Aber die USA wären auf jeden Fall vollkommen vorbereitet.
Und jetzt hat der amerikanische Wunderheiler den göttlichen Rat gegeben, den Menschen zum Schutz gegen Corona Desinfektionsmittel zu injizieren. Ein wirklich genialer, ernstzunehmender Ratschlag, der - mal wieder - den gesunden Menschenverstand von Präsident Trump beweist. Man beachte außerdem, wie gut der Gebrauch von Desinfektionsmittel hier studiert und verstanden wurde! Abschließend lässt sich dazu eigentlich nur noch eines sagen: Sollte sich jemals wieder ein alter, weißer, rassistischer Mann mit blond gefärbtem Schopf zur Wahl melden, weiß man ganz genau, wen man besser nicht wählen sollte.  

Blogeintrag #8 oder: Wie toll sind „Corona-Ferien“?
Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich mich nicht über Ferien freuen würde, dann hätte ich denjenigen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgelacht.
Doch nun ist es soweit: Diese Ferien nerven einfach nur noch. Dies liegt zu einen an der sich über Wochen ziehende Langeweile, zum anderen an der momentanen Lage: Wer will bitte schon Ferien wegen eines gefährlichen Killer-Virus haben? Außerdem ist das Wort „Ferien“ sehr weit hergeholt, denn Entspannung und Erholung stelle ich mir ehrlich gesagt nicht in Form von acht Wochen daheim rumgammle, mich mit meinen Geschwistern rumschlage und auf die nächste Lehrer-Mail warte vor. Zum anderen ist es so, dass man Ferien immer erst besonders gut genießen kann, wenn man davor in der Schule auch etwas geleistet hat und sich dann in der freien Zeit von dem ganzen Schulstress erholen kann. Auch das trifft auf die „Corona-Ferien“ nicht zu. Und so schön dieser Corona-bedingte Unterrichtsentfall für Schüler in der Zukunft auch klingen mag, die dann in 50 Jahren für das Geschichtsabitur nicht nur den Brexit, sondern auch den Verlauf der Corona-Pandemie lernen müssen: Ihr habt wirklich nichts verpasst. 

Johanna Mayer Q11

22. März, der 2. Tag mit Ausgangsbeschränkungen:
Es ist surreal, dass niemand mehr raus kann bzw. sollte. Niemand nimmt es wirklich wahr, dass wir tatsächlich eingeschränkt sind.

24. März, der 4. Tag:
Ich gewöhne mich langsam daran. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich durchaus an diese Art Schule zu haben gewöhnen könnte: einmal die Woche einen Arbeitsauftrag per Mail geschickt bekommen und den Mail Kontakt mit dem Lehrer zu halten. Sich seine Zeit selbst einteilen zu können ist wohl zum Luxus geworden, seit den Schulwochen mit Nachmittagsunterricht oder -beschäftigungen an jedem Tag. Eine kleine Auszeit macht Spaß.

26. März, der 6. Tag:
Langsam wird es normal. Man richtet seinen Alltag nach den wichtigen Sachen aus ohne rauszugehen oder sich real mit anderen zu treffen. Ich habe heute einen Geburtstag gefeiert. Ganz coronasicher, versprochen. In solchen Zeiten wird eben eine Party zu einem in-5-Metern-Abstand-voneinander-auf-der-Straße-stehen. Etwas seltsam, aber das Beste was wir zustande gebracht haben. Es gab sogar Geschenke, Kerzen und Kuchen. Ein richtiger Geburtstag eben…

27. März, der 7. Tag:
Heute war ich im Wald. Dort fühlt es sich fast normal an, weil man nie jemanden im Wald trifft, ist es auch nicht seltsam. Auf dem Hin- und Rückweg habe ich allerdings einige vorwurfsvolle Blicke aus Küchenfenstern geerntet.

30. März, der 10. Tag:
Noch ein Geburtstag heute. Gratulationen gingen diesmal vor allem übers Telefon und über ein kleines Geschenk vor der Haustür. Sie hat sich sehr gefreut.

1. April, der 12. Tag:
Nächster Geburtstag, mein Onkel dieses Mal. Ich bin dazu übergegangen selbstgenähte Masken an meine gesamte Familie zu verschenken. Wenigstens nichts, was nicht gebraucht wird und ab morgen vergessen in irgendeiner Ecke rumliegt, hoffe ich zumindest. Jena hat als erste deutsche Stadt eine Mundschutzpflicht an öffentlichen Plätzen und in Geschäften eingeführt, bestimmt kommt das auch bald bei uns. Es ist immer noch etwas surreal, ganz gewöhnen kann man sich wohl nie daran…

2. April, der 13. Tag:
Man merkt deutlich, dass dieser Streit bzw. diese Diskussion, wie es einige meiner Familienmitglieder zu sagen pflegen, noch einige Zeit spürbar in der Luft hängen wird, totgeschwiegen wird es von den meisten aber trotzdem.

5. April, der 16. Tag:
Die letzten Tage, wie auch heute und offenbar auch die nächsten Tage oder sogar Wochen soll wunderschönes Wetter sein. Ich zähle mich zu den glücklichen Menschen, die in einem Haus mit Garten leben, was ich jetzt als großes Geschenk wahrnehme. Die aktuelle Situation lässt mich die Dinge, die ich schon immer hatte, die, die ich für selbstverständlich gehalten hatte, neu schätzen und ihren Wert neu entdecken. Auf der anderen Seite merke ich, dass ich einige störende Teile meiner Umgebung nie als störend empfunden habe, einfach weil sie mir nie aufgefallen sind. Beispielsweise der viele Verkehr oder auch die belanglosen Konversationen mit einem Bekannten auf der Straße. Laut darf man es ja nicht sagen, aber dass manches wegfällt ist doch ganz schön…

10. April, der 21. Tag:
Nach der Quarantäne werde ich mindestens um zwei Kilo schwerer sein und eine Meisterin im Kochen und Backen sein. Außerdem im Nähen. Wie meine Oma jetzt sagen würde: „Jetzt kannsch ja heiraten“. Meine Oma wohnt allein, was jetzt natürlich nicht besonders schön ist, aber sie weiß sich mit stundenlangen Telefonaten, Spazierengehen und kurzen Gesprächen über den Garten hinweg zu helfen.
Trotzdem glaube ich, dass sie jetzt oft einsam ist.

11. April, der 22. Tag:
Dank des schönen Wetters bin ich sehr viel im Garten. Beete von Unkraut befreien, Gemüse ansäen, Humus sieben, Bäume und Sträucher zurückschneiden und allem, was in Tlpfen lebt, ein neues Zuhause geben. Meine kreative Ader hat einen neuen Höhepunkt erreicht, ich habe seit einigen Monaten nicht mehr so viel gezeichnet und gebastelt. Auch das Chaos in meinem Zimmer ist nun ein Beweis dafür, dass ich sehr viel mehr Zeit zu Hause verbringe als sonst.

13. April, der 24. Tag:
Heute ist ein Tiefpunkt, ich lag heute nur rum und habe nichts getan. Das Nichtstun, das bedrückend ist, von dem man sich aber nicht losreißen kann. Es ist, als würde ich in ein schwarzes Loch gesogen werden und während das passiert, verlangsamt sich alles, ich kann aber nichts ändern…
Bin ich die Einzige, die das manchmal hat?

14. April, der 25. Tag:
Ich habe zwar nicht das Gefühl, dass ich heute viel getan habe, aber rational betrachtet habe ich doch einiges getan. Und, Trommelwirbel bitte, die Apotheke in Unterthingau ist jetzt stolzer Besitzer 30 selbstgenähter Atemmasken, mal sehen wie sich das verkauft…

16. April, der 27. Tag:
Heute ist es auch für Bayern offiziell: Die Ausgangsbeschränkungen werden auf jeden Fall noch bis Anfang Mai verlängert. Das bedeutet, dass wir mindestens noch einmal zwei Wochen keine Schule haben werden. Die Abschlussklassen werden ab dem 27.04. wieder zur Schule gehen und wir, die 11. Klasse, dann ein bis zwei Wochen danach. Laut Schulleitung sind die Planungen um einen „coronasicheren“ Schulstart mit Sicherheitsabstand und allen notwendigen Hygienemaßnahmen durchführen zu können schon am Laufen, sogar so etwas wie Unterricht in Schichten wird in Betracht gezogen. Zwar frage ich mich, warum man mit den Planungen für solche Hygienemaßnahmen nicht schon früher angefangen hat, da doch eigentlich klar war, dass das irgendwann kommen wird, auch wenn im Moment nichts sicher ist. Das ist allerdings, in Anbetracht dessen, dass bis jetzt alles einigermaßen gut abgelaufen ist, Jammern auf hohem Niveau.

17. April, der 28. Tag:
Langsam kristallisiert sich heraus, dass wenn die Rede von einer „Zeit nach Corona“ ist, ein Moment in frühestens einem Jahr, wenn ein Impfstoff vorhanden ist, angesprochen wird. Ich hatte seit langem nicht mehr so ein großes Verlangen einen Städtetrip zu machen oder auf eine Party zu gehen oder mich einfach mit einer Freundin zu treffen.
Nachdem jetzt auch alle Exkursionen und Aktionen für dieses Jahr abgesagt wurden, inklusive der Fahrt nach Berlin unserer Jahrgangsstufe, geht mir die Situation noch mehr auf die Nerven. Ich weiß, dass ich keinen wirklichen Grund zu jammern habe, aber alle Pläne, die ich für die nächsten Monate hatte, sind jetzt erst einmal über den Haufen geworfen worden und das wurde mir heute besonders bewusst.

22. April, der 33. Tag:
Draußen sein gibt mir etwas Struktur und Klarheit. Es ist, als würde mir der Wind das Gedankenwirrwarr aus meinem Kopf pusten.

27. April, der 38. Tag:
Heute fangen die Abschlussklassen mit normalem Unterricht an, sofern man unter diesen Umständen von normal sprechen kann. Sie mussten mit Mundschutz in den Bussen sitzen und durften nur jeweils einen Eingang benutzen. Abstand musste in den Klassenzimmern natürlich auch eingehalten werden. Es ist schon seltsam. Aber immerhin sieht man dann wieder Menschen, die einen nicht nur verzögert über einen Bildschirm anlächeln. In zwei Wochen sollen wir nachkommen. Mal sehen wie das funktioniert.

1. Mai, der 42. Tag:
Mir wird erst mit diesen Worten, die ich hier in meinen Laptop tippe bewusst, wie lange diese „Social Distancing“ schon geht. 42 Tage? Wirklich? Es ist zwar schon ewig her, seitdem ich meine Freunde gesehen habe, allerdings verwischt meine Zeitwahrnehmung langsam. Nach und nach, ohne es zu merken, ist jeder Tag gleich geworden. Ich habe zwar Struktur, die ich mir irgendwie selbst geben kann, allerdings tue ich fast jeden Tag das Gleiche. Genau kann ich nicht mehr sagen, ob ich wirklich das Gleiche getan habe. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob ich eine bestimmte Sache gestern, vor drei Tagen oder vor zwei Wochen gemacht habe. Meine Zeitwahrnehmung ist gleich null. Vielleicht bedeutet das, dass ich recht gut im Moment lebe, vielleicht auch das genaue Gegenteil.

3. Mai, der 44. Tag:
Meine Stimmung sagte mir heute den ganzen Tag, dass ich etwas tun sollte. Ich konnte nicht stillsitzen, sondern musste irgendwas Sinnvolles tun, irgendwas, was mir im Nachhinein zeigt, dass ich aktiv war. Vielleicht ist das auch ein Phänomen, das mit der Quarantäne kommt: etwas Sinnvolles tun zu können, sich abzulenken, um nicht mitzubekommen, dass das eigene Leben eigentlich gerade stillsteht. Etwas Handfestes zu kreieren, bringt kurzfristige Aktivität in mein Leben, weil ich im Prinzip - auch wenn ich es verdränge - genau weiß, dass ich gerade nicht langfristig aktiv sein kann, nichts für die Zukunft planen kann, weil ich nicht weiß, wann ich überhaupt jemandem wieder die Hand schütteln darf. Ablenkung. Das ist das Trostmittel in diesen Zeiten. Für manche ist es Netflix oder YouTube, für andere ist es schlafen oder kochen. Für mich war es heute alles Mögliche: Gemüse einpflanzen und ein Vogelhäuschen bauen.

5. Mai, der 46. Tag:
So schnell kann sich das Blatt wenden. Im Gegensatz zu den letzten zwei Tagen, an denen ich so produktiv und motiviert war, würde ich den heutigen Tag am liebsten im Bett verbringen. Was brauche ich mehr als ein gutes Buch, meinen Laptop und ab und zu etwas zu essen. Ok, vielleicht nicht nur ab und zu…
Aber ehrlich gesagt genieße ich genau diese Freiheit an der Quarantäne. Während ich vor zwei Monaten mit jeder Laune in die Schule musste, kann ich mir jetzt die Freiheit herausnehmen, auch mal nichts zu tun. Ich habe zwar wahnsinnige Schuldgefühle dabei, wenn ich daran denke, wie viel ich noch für diese Woche erledigen muss, gut fühlt es sich in diesem Moment aber trotzdem an.

7. Mai, der 48. Tag:
Heute ist so phantastisches Wetter, ich würde am liebsten den ganzen Tag draußen verbringen, allerdings rächt sich heute natürlich meine Faulheit der letzten Tage. Während ich aus dem Fenster schaue und immerhin in den Pausen, die ich ab und zu einlege etwas Frühlingssonne, die mir im ersten Moment viel zu heiß erscheint, bis mir einfällt, dass es schon Mai ist, abbekomme, quäle ich mich selbst mit der natürlichen Exponentialfunktion und den wirren Persönlichkeiten, die Georg Büchner für Woyzeck und den Doktor erdacht hat. Warum fällt es mir diese Woche so schwer mich aufzuraffen und etwas zu tun?
Offenbar hat das Lernen von zu Hause bald ein Ende, beziehungsweise es wird auf jede zweite Woche reduziert. Die Kurse werden halbiert und die eine Hälfte - Gruppe A - hat in der einen Woche Unterricht, die andere - wer hätte es gedacht, Gruppe B - dann in der nächsten Woche. Und so wird das weitergehen. Wie lange kann niemand sagen, zwischen einem Monat und einem Jahr wäre laut Prognosen alles möglich. Die größte Sorge ist mittlerweile nicht mehr, dass das Gesundheitssystem überlastet ist, sondern eher, ob die Bevölkerung das alles noch lange mitmacht. Jetzt ist auf jeden Fall der Zeitpunkt, an dem es anstrengend wird. Man bekommt die Einschränkungen jetzt erst zu spüren, naja eigentlich realisieren sie alle erst jetzt und natürlich die Tatsache, dass das keine Grippewelle von drei bis vier Wochen Dauer ist.

10. Mai, der 51. Tag:
Wow: 50 Tage, hätte ich nicht mitgezählt, wäre es für mich auch möglich, dass es vier Wochen oder drei Monate sind. Durch die Ausgangsbeschränkungen passiert wenig Besonderes, es gibt keine Besonderheiten, alles verschwimmt zu einem einzigen dickflüssigen Brei an Tagen. Es fühlt sich so an, als wäre starker Nebel aufgezogen und alles ist nur noch milchig grau. Ich kann nicht sagen, ob der morgige Schulanfang etwas daran ändern wird, denn eigentlich wird es auch immer der gleiche Alltag sein, nur eben ein anderer als vorher. Mir fehlt Struktur, Höhen und Tiefen, der Kontakt zu Menschen, eben Umrisse in meiner verschwommenen Wahrnehmung. Aber zurück zur Schule: nur die elften und zwölften Klassen werden in der Schule sein, was ich mir sehr ruhig und noch einigermaßen geordnet vorstelle, aber einen richtigen Plan, von dem, was gerade passiert, scheint niemand zu haben, kann auch niemand haben. Jeder ist gezwungen sich irgendwie voranzuhangeln, nur auf die nächsten ein bis zwei Schritte zu schauen und immer wieder zu prüfen ob das der richtige Schritt war und falls er sich als falsch herausstellt ihn zu revidieren. Genau so wird es auch mit den Schulen gemacht, was natürlich bedeutet, dass der Unterricht, wie er bald stattfinden wird, auch nur von kurzer Dauer sein könnte. Sicher ist nichts.

Laura Stegmann Q11

Die letzten Schultage

Am ersten Wochenende nach der Faschingszeit und den Ferien habe ich meinen Geburtstag gefeiert. Es war die letzte große Party vor der Ausgangsbeschränkung und dem Kontaktverbot. Nach einer unglaublichen Putz- und Aufräumschicht wartete der Montag auf mich. Das Wochenende hatte mich so sehr mitgenommen, sodass ich sonntagabends wie ein Verrückter meine E-Mails aktualisiert habe und wie wild auf eine „Ab Montag fällt die Schule für zwei Wochen aus, CORONA-TIME!“-Nachricht gewartet habe. Zu meiner Enttäuschung war es dann doch soweit, eine vermeintlich normale Woche nahm ihren Lauf.

Der erste Tag der Woche begann anders als ein normaler Tag. Ein Zettel hing an der Eingangstür des Gymnasiums: Die Mittelstufe sollte, wegen eines Corona-Verdachtsfalles, zuhause bleiben. Das war natürlich erst einmal ein kleiner Schock, doch heimlich hatte ich mich gefreut. Endlich rücken die „Corona-Ferien“ in greifbare Nähe. Abends auf dem Sofa hatte sich die Lage entspannt – dachte ich. Während einer Unterhaltung mit meiner Mutter, bekam ich DIE Mail. Das Rote Kreuz sucht dringend Helfer für Corona-Tests am nächsten Tag. Für mich war es gar keine Frage mich zu melden. „Wenn das Gesundheitsamt schon so überfordert ist, spitzt sich die Lage bestimmt bald zu“, dachte ich mir. Also nahm ich meine Uniform und legte sie schon für den nächsten Tag ins Auto. Die Stiefel habe ich vorsorglich gereinigt und poliert, man muss ja bei den Leuten vom Amt einen guten Eindruck hinterlassen.

Die ersten beiden Stunden verbrachte ich noch im Klassenzimmer bei einer schönen Doppelstunde Deutsch. Den Kaffee zur Zwischenpause konnte ich gut vertragen, ich war die Nacht zuvor sehr nervös und es mangelte mir an Schlaf. Als dann schließlich der Pausengong ertönte, eilte ich zum Auto, zog mir meine Uniform an und düste Richtung Thalhofen. Dort wurden die ersten Kategorie-1-Patienten getestet. Kategorie-1-Patient war der, der direkten Kontakt zu einem positiv getesteten Fall hatte. Die ersten Personen, von denen alles ausging, nannten wir Index-Patienten. Ich fühlte mich wie in einem Film, es war spannend.

Um ehrlich zu sein, war der ganze Rest, der passierte, auch filmreif. Metallkoffer. Der eine mit der Aufschrift „Dokumentation“, der nächste sagte „Desinfektion“ und ein anderer „PSA“. Wobei hier das PSA für „persönliche Schutzausrüstung“ steht. Das waren unter anderem die guten FFP3-Masken, welche man zu diesem Zeitpunkt für viel Geld hätte verkaufen können, Ganzkörperinfektionsschutzanzüge, Schutzbrillen und Handschuhe.

Ich durfte meine Schicht mit einem Kollegen des Roten Kreuzes, einer Verwaltungsfachangestellten, einer Medizinstudentin und einer Ärztin verbringen.

Wir haben uns alle nicht gekannt. Bis auf die Ärztin und die VFA hatte noch niemand so eine Situation erlebt. Wir hatten keine Ahnung. Doch alles in allem war es nicht so schwer, wir konnten uns gegenseitig helfen. So wusste mein Kollege zum Beispiel darüber Bescheid, wie man die PSA vorschriftmäßig an- und auszog. Und ich? Als kleiner Grünschnabel? Ich wusste gar nichts. So etwas gehört einfach nicht ins Alltagsgeschäft beim Roten Kreuz. Ich kann Wunden versorgen, Kotztüten halten und simple Diagnosen stellen. Das habe ich gelernt. Aber sowas?

Meine Schicht war die erste in Thalhofen und dauerte vier Stunden. In dieser Zeit konnten wir 64 Verdachtsfälle testen. Von diesem Zeitpunkt an war mir klar: Es kann nicht mehr lange dauern, dann kommt der Shutdown.

So vergingen noch zwei weitere Tage, welche völlig normal verliefen. Der Schullalltag wurde nicht sonderlich verändert. Manche Lehrer sollen jedoch schon Vorbereitungen, wie z.B. die Einrichtung unserer verlässlichen Onlineplattform „Mebis“, getroffen haben.

Der Freitag war unser Schlüsseltag. Ministerpräsident Söder hatte bereits angekündigt, dass die Entscheidung einer Schulschließung an diesem Morgen gefällt werden sollte. Die Informatiker unserer Schule hatten also kurz vor 9 Uhr (Beginn der Pressekonferenz) den Livestream eingeschaltet und konnten live miterleben, wie die „frohe Botschaft“ verkündet wurde. Ja, frohe Botschaft. Die Schüler haben diese Nachricht mit offenen Armen entgegengenommen. Wer kann es ihnen übelnehmen? Erwartet wurden zwei Wochen schulfrei. Jetzt waren es fünf. Schnell wurde der Entschluss gefasst: Die neu gewonnene Freiheit muss im Klub gefeiert werden. Auch ich war mit von der Partie.

Da der Unterricht nun erst einmal vorbei war, haben ein guter Freund und Bandkollege und ich Musikboxen von der Schule ausgeliehen, weil diese vorerst im Gymnasium nicht gebraucht werden. Schließlich gab es noch eine wunderbare Bandprobe, bevor es abends in den Klub gehen sollte. Ein paar Stunden vor Einlass hatten die Veranstalter allerdings die Nachricht verbreitet, die Party würde abgesagt werden, da man es nicht verantworten könne, so viele Menschen auf einem Haufen zu beherbergen. Das war schrecklich. Mit einem Mal war die Laune im Keller. Keine Fete.

Nichtsdestotrotz nutzten wir als Band den freigewordenen Abend und luden ein paar Mädels in unseren Probenraum ein. Für mich als Fahrer, der danach durch den halben Landkreis fahren durfte, war es trotzdem ein wirklich netter Abend.

Corona-ferien? Nein.

Die ganze nächste Woche bestand nur aus Bandproben und kleinen Feten bei uns im Probenraum. Jeder Abend wurde genutzt. Wir konnten es alle einfach nicht glauben plötzlich keine Schule mehr zu haben. Es gab vorerst auch nichts anderes zu tun, als zu feiern. Es waren schließlich fast schon Sommerferien.

Mit dem nächsten Freitag nahm das Unglück seinen Lauf. Wie die Schulschließung eine Woche vorher, gab es eine neue Bekanntmachung unseres Ministerpräsidenten. Eine Ausgangs-beschränkung ab Mitternacht.

So viele Bürger haben sich nicht an die Gebote der Regierung gehalten, sich nicht mehr mit vielen Menschen zu treffen. Alle saßen im Biergarten, auf der Wiese oder sonst wo. Und wir? Wir waren die ganze Zeit im Probenraum. Wir haben nichts besser gemacht. Eigentlich war es vorherzusehen.

Im Endeffekt waren wir froh, dass wir die wirklich freie Zeit noch genutzt haben. „Corona-Ferien“. Das wäre auch nur zu schön gewesen. Von diesem Zeitpunkt an war alles anders. Man durfte niemanden mehr besuchen, keine Unternehmungen mehr machen und erst recht keine Probenraumfeten. Die Lust auf fünf Wochen ohne Schule verging schnell. Wenn man seine Freunde nicht sehen kann, macht alles keinen Spaß mehr.

Dies war die eine Seite der Medaille. Neben der Musik ist es meine Leidenschaft im Katastrophenschutz mitzuwirken: Als Feuerwehrmann und Sanitäter.

Schon Wochen vorher kamen die ersten Hinweise per E-Mail, man solle auf Hygiene achten, sich so oft es geht desinfizieren, damit die Einsatzbereitschaft aufrechterhalten bleibt. Das Rote Kreuz hat den Katastrophenfall ausgerufen. Herr Söder ebenfalls, also gilt dies auch für die Feuerwehr. Alle Übungen wurden abgesagt, mein Gruppenführerlehrgang, auf den ich mich schon seit Jahren freue, meine Weiterbildungen im Roten Kreuz, alles. Jetzt kamen andere Aufgaben auf uns zu. Wöchentlich werden wir über die aktuelle Situation und den Status der Einsatzbereitschaft aufgeklärt. In der Feuerwehr trage ich, was das angeht etwas mehr Verantwortung. Für mich stehen seitdem auf der Tagesordnung: Gerätehaus in Schach halten, Hygieneartikel beschaffen (was sich seit dem Ausruf des Katastrophenfalls als äußerst schwierig herausgestellt hat), und vieles mehr. Außerdem bin ich für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, was mich allerdings erst später ereilen soll.

Also wieder: Alle Uniformen, ab ins Auto.

Nun galt es sich erstmal wieder zu beruhigen. In einer Woche kamen schon um die 20 E-Mails von Lehrern mit Arbeitsaufträgen zusammen. Diese mussten jetzt abgearbeitet werden. Ein Gespräch mit meinem W-Seminar-Leiter stand aus. Ein Lehrer hatte die Idee, in der heutigen Zeit könne man doch den Unterricht über Videokonferenzen halten. Gesagt getan, ein Termin wurde über E-Mails vereinbart und 25 Schüler saßen vor ihrer Webcam. Ich persönlich unterstütze diese Idee sehr. Es funktioniert ausgesprochen gut und der Unterrichtsstoff wurde gut vermittelt.

Jetzt sind es nicht nur die Lehrer, welche auf solche Ideen kommen. Seit Beginn der Ausgangssperre hat jeder Schüler eine neue App auf dem Smartphone: „Houseparty“. Hier können bis zu acht Teilnehmer einem „Room“ beitreten und sich über Mikrofon und Webcam miteinander unterhalten. Eine gute Alternative.

Doch was soll man sonst den Rest des Tages machen? Bei schönem Wetter kümmere ich mich um den Garten, tue Dinge, für die sonst nie Zeit war.  Eventuell lese ich auch endlich Faust II, das hatte ich schon länger vor. Da bin ich doch froh um meine Aufgaben im Katastrophen-schutz. Es wird zumindest nicht langweilig.

Der Katastrophenschutz

Um bei Einsätzen, die den Kontakt mit positiven Patienten beinhalten, einigermaßen gut vorbereitet zu sein - nicht so wie ich, bei den ersten Coronatests - ordnete das Rote Kreuz Pflichtbelehrungen zum Thema Schutz vor Viren an. Diese Unterrichtseinheit erweitert unsere jährliche Schulung zur allgemeinen Hygiene.

Meine Kameraden und ich wurden über die aktuelle Lage und die damit gegebenen Probleme aufgeklärt. Im Landkreis Ostallgäu hat sich ein Krisenstab des BRK gebildet. Dieser steht im engen Kontakt mit den Behörden und somit auch mit dem Krisenstab im Landratsamt.

Womit können wir in nächster Zeit rechnen? Pflegekräfte fallen in Krankenhäusern und Altenheimen aus. Die Corona-Patienten benötigen Intensivstationen und vor allem Platz. Also? Die Aufgabe des Roten Kreuzes in diesem Fall: Personal stellen und Zelte aufbauen. Auch im Rettungsdienst kommt es zu Problemen. Sobald ein Notfallsanitäter in Kontakt mit COVID-19-Patienten oder auch nur Verdachtsfällen kommt, darf er selbstverständlich nicht mehr arbeiten und muss in Quarantäne. Doch nicht nur dieser eine Sanitäter, denn auf einem Rettungswagen sitzen mindestens zwei Personen. Wenn dann noch der Notarzt mit seinem Fahrer dazukommt, fallen mehrere Personen mit einem Schlag aus. Dies ist fatal für unser Notfallgesundheitssystem. Darum stellen Ehrenamtliche einen Ersatzrettungs-wagen und stehen jederzeit bereit hauptamtliches Personal zu ersetzen.

Zu meinem anfangs erwähnten Problem, die Beschaffung von Hygieneartikeln, möchte ich nun auch noch einmal kommen. Mittlerweile gab es eine Umfrage des Kreisbrandrats im Ostallgäu, welche Feuerwehren Schutzausstattung benötigen. Dazu zählen Händedesinfektionsmittel, Flächendesinfektionsmittel und Mundschutzmasken. Zusätzlich habe ich noch Handschuhe bestellt, da diese in unserer Wehr Mangelware sind. In den nächsten Tagen sollte unsere Lieferung ankommen.

Sozialer Kontakt

Ich würde von mir selbst behaupten sehr extrovertiert zu sein. Das schöne Gefühl von Menschen umgeben zu sein und miteinander Emotionen zu teilen - da fehlt mir sogar die Schule. Die Ausgangsbeschränkung in Verbindung mit dem Kontaktverbot nimmt mich mit. Meine Familie und ich bemerken die schlechte Laune durch die fehlenden Freunde, mit denen man sich normalerweise öfter getroffen hätte. Als ich am ersten Samstag nach der Ausgangsbeschränkung durch mein Dorf spazierte, machte ich mir Gedanken um die nahe Zukunft. Noch in jener Woche traf ich jeden Tag meine Freunde und Bandkollegen. Mittlerweile, nach guten drei Wochen, fällt mir die ganze Sache etwas leichter. Glücklicherweise konnte ich meine Mutter – ihr Arbeitgeber hat Kurzarbeit angemeldet – überreden mit mir eine Serie zu sehen. Da sitzen wir nun jeden Tag und lassen uns mit der Brutalität und Spannung in „Game of Thrones“ berieseln. Die Band führt Diskussionen in Videokonferenzen, vergleichbar mit dem Unterricht über die Online-Meeting-Programme oder „Houseparty“. Für uns stehen 15 neue Songs auf der Liste, die wir bis zum nächsten Treffen vorbereiten sollen. Das heißt für mich als Notenschreiber: Arbeit. Aber das ist eine andere Art von Arbeit. Arbeit, die glücklich macht.

Ansonsten geht niemand das Risiko ein, mit Freunden erwischt zu werden. Die Strafen sind sehr hoch und selbst in einem kleinen Dorf wie Wald fahren Polizisten Streife. Die einzige Möglichkeit auf etwas sozialen Kontakt im „echten Leben“ hat man, wenn man Fahrrad fährt oder joggt und dabei – zufällig – jemandem begegnet. Doch diese Unterhaltungen dürfen auch nicht lange dauern und ein Abstand von zwei Metern sollte eingehalten werden. Auch nicht das Wahre, oder?

Jetzt gibt es da natürlich noch eine Möglichkeit: Lebensgefährten dürfen sich weiterhin besuchen. Mein Bruder, der in seinen jungen Jahren mit einer Freundin gesegnet ist, hat das Glück sie besuchen zu können. Ohne ein Auto und einen Führerschein gestaltet sich dies jedoch als etwas schwierig.

Ostern im Jahr 2020

Wir erinnern uns an die Buschbrände in Australien und den Konflikt zwischen dem Iran und den USA. 2020 ist ein sehr verrücktes Jahr, wenn man jetzt auch noch die Pandemie bedenkt. Doch nun steht eine wichtige Suche an, nämlich die nach Ostereiern. Müssen wir uns jedoch Sorgen machen, dass unser Nachbar die Polizei ruft, wenn die Familie im Garten nach Ostereiern sucht? Offensichtlich schon, wie die Polizei berichtet. Es gibt ein paar Unbelehrbare, die schon früher immer aus ihren Fenstern sahen und als Hilfssheriff Verbrechen aufdecken wollten. Diese nutzen jede Chance um Mitmenschen bei der Polizei zu melden. Spielende Kinder im Garten? Das können keine Geschwister sein, das muss zur Anzeige gebracht werden.

Ostern steht vor der Tür. Keine Gottesdienste, oder Familienfeste. Mein Onkel kommt jedes Jahr an Ostern vorbei und besucht meine Großeltern. Zusammen verbringen wir so normalerweise das Osterfest. Dieses Event muss diesmal leider ausfallen. Zumindest muss niemand auf ein Festmahl verzichten, da die meisten Restaurants, um ihren Verlust auszugleichen, Lieferdienste oder einen Abholservice anbieten. Selbstverständlich kann man, durch die gewonnene Zeit, auch selbst kochen und seinem Familienkern einen echten Genuss bescheren. Ich gehöre nicht dazu; meine Kochkünste reichen nur zum Überleben.

Schulbeginn

Mit den verbesserten Infektionszahlen kamen ebenfalls Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus einher. Was war das für eine Erleichterung? Endlich konnte man sich wieder mit Freunden treffen. Die Geschäfte durften unter bestimmten Auflagen wieder öffnen.

Jetzt, nach sieben Wochen unterrichtsfreier Zeit müssen die Schüler der elften Klasse wieder die Schule besuchen. Unsere Abiturienten waren bereits zwei Wochen früher an der Reihe. Einigen Stoff gilt es nachzuholen, da manche Lehrer weniger motiviert waren, den Schülern Arbeitsaufträge zukommen zu lassen, als andere. Ich bin sehr gespannt, wie der Rest dieses Schuljahres verlaufen wird. Klausuren werden in unserer Jahrgangsstufe auf jeden Fall nicht mehr geschrieben. Wir beschränken uns auf mündliche Noten und Stegreifaufgaben. Die Schüler der Abschlussklasse beobachtend, bin ich froh, erst nächstes Jahr mein Abitur zu schreiben. Wird das Abitur dieses Jahres überhaupt als legitimer Abschluss angesehen? Wenn man die Bewertung der Prüfung so anpassen will, dass der Gesamtschnitt der letzten Jahre erhalten bleibt – um Chancengleichheit zu gewährleisten – ist es doch selbstverständlich, dass es zu Problemen kommen wird.

Als Band hoffen wir darauf, dieses Jahr noch das ein oder andere Konzert geben zu dürfen. Wir werden voraussichtlich nur auf kleinen Geburtstagen spielen können, da größere Veranstaltungen abgesagt wurden, aber das ist zumindest etwas. Mein Gitarrenspiel hat sich in den letzten Wochen mehr verbessert als in den letzten zwei Jahren. Die Langeweile bringt einen dazu, Dinge zu tun, für die niemals Zeit war. So habe ich ebenfalls mit meiner Mutter zusammen die bekannte Serie „Game of Thrones“ gesehen. Mit ungefähr 70 Stunden Gesamtspielzeit, muss man sich hier einfach die Zeit nehmen.

Es ist verrückt, dass ich in diese Zusammenfassung meiner Erfahrungen in der unterrichtsfreien Zeit bisher mehr Zeit gesteckt habe, als in die Seminararbeit. Natürlich ist das Aufschreiben von persönlichen Gedanken nicht so anstrengend wie das Recherchieren von Fakten. Es war auf jeden Fall eine sinnvolle Idee um die Zeit nochmals Revue passieren zu lassen und sich bewusst zu werden, was man eigentlich gemacht hat. Persönlich hätte ich die ganze Zeit noch besser nutzen können. Es fehlt für mich der persönliche Kontakt zum Lehrer, den ich von mir überzeugen muss. Entweder durch mündliche Beiträge oder in Klausuren. Der Gedanke, dass ich den ganzen Stoff nur für mich lerne, ist bei mir noch nicht angekommen. Die meisten Dinge, die ich bisher gelernt habe, werde ich nicht mehr brauchen. Trotzdem bin ich froh, so manches zu wissen.

In meiner späteren Berufsvorstellung hat sich auch viel getan. Anfangs wollte ich mit einem Physikstudium Brandrat eines Landkreises werden. Diesem Wunsch folgten Geschichtslehrer und Englischlehrer. Mittlerweile bin ich wieder auf ein altes Hobby von mir gestoßen, die Informatik. Eigentlich hätte ich während der Osterferien einen Ferienjob bei einem lokalen Unternehmen antreten sollen. Da dieses allerdings, wie so viele andere zuvor, Kurzarbeit angemeldet hatte, war dies nicht mehr möglich. In den Pfingstferien wird es dann soweit sein, ich kann ein wenig Geld verdienen. Der Abteilungsleiter kennt mich sehr gut und schätzt mein Interesse für die Informatik sehr. In einem Telefonat erklärte er mir, dass das mit dem Ferienjob zu Ostern leider nichts wird. Im selben Atemzug bot er mir einen dualen Studienplatz als Wirtschaftsinformatiker an. So ein Angebot darf ich mir nicht entgehen lassen. Es werden zwar anstrengende und qualvolle viereinhalb Jahre, aber es lohnt sich.

Ohne einen nennenswerten Einsatz des Katastrophenschutzes im Ostallgäu, kehre ich allmählich wieder in den Alltag zurück.

Sehen wir mal, was die Zukunft für uns alle bereithält. Die Schulen werden sowieso geschlossen, sollte sich das Virus wieder ausbreiten. Ich freue mich jedenfalls darauf, meine Freunde wiederzusehen. Und den Friseur.

Szenario „Zug"
Szenario Zug: Die Landschaft fliegt in Sekundenschnelle am Fenster des Abteils vorbei. Die Lichter der Städte und Straßen zischen in Streifen neben dem Zug entlang, während er Berge und Täler hinauf und hinab schießt. Die einzelnen Waggons hüpfen ungleichmäßig über die Schienen. Man könnte fast Angst bekommen, die Waggonkette würde auseinanderreißen. Seit dem Tag, an dem die Fahrgäste diese Nachricht bekommen haben, rauschen sie ins Ungewisse, sie befinden sich auf einer Reise, einer Fahrt ohne Ziel. Dafür aber doppelt so schnell und mit doppelt so vielen Unbequemlichkeiten. Noch vor wenigen Wochen hat es geheißen, die Bremsen des Zuges hätten einen kleinen Defekt, der aber keine Auswirkungen auf ihre Sicherheit und ihr Reiseziel hat. Die Fahrgäste sind beruhigt. Jedenfalls bis zur neuen Information kurz vor der ersten, der zweiten und der dritten Haltestation, als das Bahnpersonal wieder und wieder erklärt hat, dass ein Halt wegen des Defektes unmöglich ist. Schließlich hat diese Nachricht dann das Schicksal besiegelt. Jeder der Fahrgäste muss nun mit der Tatsache klarkommen, dass der Zug unaufhaltsam ohne Bremsfunktion durch das Land rauscht, ungewiss wie lange und wohin diese begonnene Reise führen wird.

Der Beginn des Ganzen
In dieser Zeit befinden wir uns auch in einem „Zug ohne Bremsen und ohne eindeutiges Ziel“. Der Zug heißt „COVID-19“. Wir sind die Fahrgäste mit der der enormen Ungewissheit, wohin dieses Virus uns führt. Ebenfalls mit der Frage, ob das Virus überhaupt ohne schlimme Schäden bekämpft werden kann. Die Schulschließung am 16.03.2020 war eine der Hiobsbotschaften vor einer nicht wahrzunehmenden Haltestation. Uns wurde dadurch immer klarer, was Corona doch für eine Bedrohung ist. Die Tatsache, dass der Mensch in der Gruppe immer am sichersten und stärksten ist, kehrt sich um und nun ist die Gemeinschaft gefährlich.
Jetzt ist die Schule für ganze drei Wochen plus Osterferien geschlossen und auf jeden Einzelnen wartet eine Zeit ohne fast den ganzen Tag von genau dieser Gemeinschaft umgeben zu sein.

Auswirkungen auf das Verhalten meiner Mitmenschen
Ich konnte auch Auswirkungen auf das Verhalten meiner Mitmenschen feststellen. Vor allem im Lebensmittelgeschäft war die Anspannung bei den meisten Kunden spürbar. Einige luden mit Gummihandschuhen ihre Produkte in den Wagen, andere hamsterten kiloweise Mehl, Klopapier und Nudeln. Trotzdem gab es zudem eine andere Variante an Menschen zu beobachten. Das wären dann diese, die entgegen der Abstandsempfehlungen für ein kurzes Gespräch völlig ignorant ihre Mitmenschen belagern oder für eine Handvoll Bananen extra zum Einkaufen gehen. In Gesprächen bekam ich auch die Unsicherheiten vieler mit. Fragen, wie es im Job weitergeht, wie lange Kurzarbeit finanziell wegzustecken ist oder wie ihre Kinder betreut werden sollen, beschäftigen einige. Dazu auch die Sorge um Verwandte, die immer noch dauerhaft Menschengruppen ausgesetzt sind.

Auch die ältere Generation schien sich mit den neuen Regelungen und Empfehlungen schwer zu tun. Beispielsweise war es für meine Oma schon recht hart, ihren Geburtstag nicht mit ihren Geschwistern feiern zu können, sondern ihn vorerst auf den Sommer zu verschieben. In meinem Umfeld konnte ich bei anderen Senioren ebenfalls solche Reaktionen beobachten. Sie verteidigen ihren Alltag vehement und wehren sich mit Nichtbeachtung strikt gegen die Vorschriften.

Die andere Seite der Medaille - positive Effekte.
Ein Kommentar

Nun dürfen Deutschlands Bürgerinnen und Bürger nur noch unter Auflagen ihr Grundstück verlassen. Viele haben Vorurteile und Vorbehalte gegenüber der Zeit zuhause. Sie fürchten, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt oder sie sich langweilen könnten. Ebenso der Gedanke, die eigenen Kinder 24/7 selbst betreuen zu müssen oder völlig allein zu sein, verbreitet Angst und Schrecken. Aber mal ehrlich, es ist immer noch jeder selbst verantwortlich das Beste aus der Lage zu machen. Meiner Meinung nach schenkt uns Corona auch einiges Gutes. Im Folgenden ein paar Argumente, was wir durch das Virus gewinnen:
Corona kuriert unsere Luxusprobleme.
Krass, was uns plötzlich wieder wichtig ist, seit unsere Gesundheit bedroht ist. Die Werte „Zusammenhalt“, „Dankbarkeit“, „Fürsorge“ kommen über Nacht wieder in Mode. Viele entdecken erst in der Krise, wie wenig umfassender Konsum ohne Gesundheit wohl wert ist. Das Virus zeigt uns auf, wie gut wir es mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt und einem Zugang zu nahezu unbegrenzt sauberem Wasser haben. Corona macht keinen Unterschied zwischen reich und arm, gut oder böse. Es macht uns alle gleich.
Es gibt die Werte vor Corona und die Werte nach Corona. Man könnte sagen, die Werte wandeln sich vom Saulus zum Paulus. Von einer auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft zu einer möglicherweise zusammenhaltenden Gesellschaft. Und wie wir wissen, ist das mehr recht als schlecht.

Außerdem schenkt uns Corona viel Zeit. Zeit für uns selbst. Zeit für wichtige Dinge, die auf der Strecke geblieben sind. Wann haben wir Zeit, unser vier Wände einmal so aufzuräumen? Wann haben wir Zeit, bei totgelaufenen Kontakten wieder anzurufen? Homeoffice und Homeschooling sind keine Ausreden. Trotz Arbeit entschleunigt sich unser Alltag sehr. Beispielsweise müssen die vielen Bus- und Zugschüler nicht drei Stunden früher aufstehen und nachmittags zwei Stunden herumsitzen bis zur Heimfahrt.
Auch auf den Wald- und Feldwegen geht Unheimliches vor sich. Nachdem Spaziergänge erlaubt sind, scheinen viele ein neues Hobby gefunden zu haben. Unter dem Motto „Back to the roots“, also zu den Baumwurzeln, zieht es selbst die Städter in die Natur

Von Corona profitieren auch viele Familien. Sich stundenlang miteinander abzugeben stärkt meistens am Ende doch den Familiensinn. Eltern haben nun das tolle Privileg mit ihren Kindern spielen, lernen und Zeit verbringen zu können. Ja, manche Eltern lernen sogar ihre Kinder ganz neu kennen! Oder stellen fest, dass das Kind nicht mehr drei Jahre jünger ist. Toll, auch für die Kinder. Endlich hat mal jemand Zeit, sich mit ihnen abzugeben, ohne, dass dauernd das Handy klingelt.
Tja, wie gesagt, um das Beste aus Corona zu machen ist jeder selbst verantwortlich. Wer keinen Bock hat, aufzuräumen oder auf die Familie, wird es die nächsten Wochen schwer haben. Da sind wir dann doch lieber positiv eingestellt und schlagen unser eigenes Kapital aus Corona! - Wenn auch mehr ein ideelles.

Szenario „Zug"
In den kommenden Tagen, soll nochmals über einen ersten Halt entschieden werden. Die Bahn hat einige Pläne um den Zug zu stoppen oder wenigstens Personen zu evakuieren, erarbeitet. Doch es geht nur langsam voran. Die Gefahren und Nebenwirkungen müssen abgewogen werden. Die Fahrgäste selbst wissen nicht so recht, ob es ihnen lieber ist, schnell zum Stehen zu kommen oder sicherer, aber dafür langsamer anzuhalten. Mittlerweile ist auch zwischen ihnen eine Gemeinschaft entstanden und sie vertreiben sich die Zeit mit Gesprächen, Spielen oder Singen. Das hilft ihnen über die Anspannung hinweg, denn trotz besserer Stimmung beschäftigen die Leute viele Fragen. Zum Beispiel, wie es weitergeht oder wie lange sie noch ausharren müssen.

„Neue Solidarität“ - Meine Meinung
Solidarität, Gemeinschaft und Zusammenhalt kennt keine Grenzen, denn auch das Kontaktverbot aufgrund des Coronavirus kann das Gefühl von einem Miteinander nicht verhindern. Gemeinschaft findet immer einen Weg.
Italien ist eines von vielen guten Beispielen. Die Menschen singen gemeinsam aus ihren Häusern und bekämpfen dadurch Einsamkeit und ihre Sorgen. Ebenso schaffen auch die Initiativen vieler Pfarreigemeinschaften durch Gottesdienste im Live-Stream oder auf YouTube, eine Art Zusammengehörigkeit. Gerade, wenn es auf Ostern zu geht, finden sonst mehrere Gottesdienste statt und sind Bestandteil der Feierlichkeiten vieler Menschen. Den Gottesdienst direkt mitzuerleben ist definitiv schöner als über den Fernseher, doch in von Verzicht geprägten Zeiten, wird so eine Alternative gerne angenommen.

Allerdings ist der ideelle Verlust nicht so existenzgefährdend wie finanzielle Einbußen. Wenn dann, der Vermieter in Berlin seinen Mietern zugesteht, aufgrund der Krise die Miete aussetzen zu dürfen, dann ist das wirklich solidarisch. Schließlich sitzen wir alle im selben „Zug“. Auch viele Vereine starten Einkaufs-Hilfs-Aktionen um Senioren oder kranke Menschen zu versorgen. Ebenso nähen und verschenken manche Privatleute Mundschutzbehelfsmasken an ihrem Gartenzaun, damit sich andere, beim Einkaufen zum Beispiel, schützen können. Vorbildlich sind auch prominente Menschen, die Konzerte im Stream spielen, um Geld zu sammeln. Ich finde, das kann man nur unterstützen. Das Gute an Solidarität, Gemeinschaft und Zusammenhalt ist, dass jeder mit minimalem Aufwand dazu beitragen kann. Es reicht, sich eine Pizza beim Lieferdienst eines ortsansässigen Restaurants zu bestellen, oder bei den Großeltern anzurufen, oder zu spenden.

Deswegen bin ich der Meinung, es ist wahnsinnig wichtig, dass Solidarität in Krisenzeiten sofort funktioniert. Im Normalzustand des Alltags ist meist nicht so sehr Zusammenhalt und Gemeinwohl an erster Stelle, doch im Krisenmodus scheint bei vielen sofort ein Schalter umgelegt zu werden und der Zusammenhalt zählt.

Szenario „Zug“
Die Fahrgäste im Zug bekommen die Auswirkungen ihrer Situation immer deutlicher zu spüren. Sie sind bereits einige Wochen unterwegs und merken langsam, wie anstrengend die Zugfahrt ist. Sie haben immer noch keine Gewissheit, wie lange sie fahren werden müssen. Im Abteil zeichnen sich nach und nach die individuellen Auswirkungen auf die Fahrgäste der Situation ab. Einige haben sich vor der Kabine des Lokführers versammelt und fragen stündlich nach neuen Informationen, weitere bewahren die Ruhe und haben sich ihren Sitzplatz gemütlich eingerichtet um die Landschaft besser zu genießen. Andere wiederum hadern und schimpfen auf die Bahngesellschaft oder weinen um ihre Angehörigen, die sie lange nicht gesehen haben. Doch eine Sache gibt ihnen nun Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität.
Mittlerweile hat der Zug an einigen Haltestellen stoppen können. An diesen konnten vor allen die jungen sportlichen Leute aussteigen. Für die älteren Menschen wird es wohl noch eine Weile dauern bis sie aussteigen können, denn sie benötigen eine sicherer Ausstiegsmöglichkeit.

Maxine Marxer Q11

Corona – in Deutschland und in China

Wir haben jetzt auch „Corona-Ferien“ bzw. Quarantäne, wie in China. Aber in China sind die Regeln strenger und die Regierung hat die Quarantäne ernster genommen. Wenn du z.B. in China auf der Straße bist und keine Maske trägst, dann wird die Polizei dich aufhalten und dich auffordern, eine Maske zu tragen. Die Polizisten werden dich zweimal warnen. Wenn du dann noch immer keine Maske tragen willst, wirst du von den Polizisten auf dem Boden gedrückt werden und Handschellen angelegt bekommen. Deine Verwandten müssen später in die Polizeistation kommen, um dich zu abholen. Die Strafe dafür ist eine Geldstrafe oder ein bis drei Jahre Gefängnis.

In China werden Eingang und Ausgang des Wohngebiets auch streng kontrolliert. Jeder Bewohner darf jeden Tag zweimal hinausgehen. Jedes Mal, wenn du das Gebiet verlässt oder reingehst, musst du dich beim Pförtner anmelden und es wird deine Temperatur gemessen. Die Maßnahme ist streng und die Strafen sind brutal. Aber es wirkt schon gut, die Zahlen in China sind gut kontrolliert und die Bürger finden das in Ordnung.

Aber in Deutschland sind die Kontrollen nicht so streng und das ist enttäuschend. Natürlich warte ich nicht auf so eine strenge Kontrolle wie China — Deutschland ist in ein „freier“ Staat und wir werden von einer „menschlichen“ und „demokratischen“ Regierung beherrscht.

Aber die Mundschutzpflicht kommt zu spät, dass es kaum Sinn mehr macht. Die Freiheit und Demokratie sind natürlich gut, aber wenn der Preis die Gesundheit und Sicherheit ist, fange ich an zu denken, ob die Freiheit sich wirklich lohnt.

Das COVID-19 ist sehr furchtbar, aber die Leute in meiner Nähe scheinen es nicht so ernst zu nehmen. „Wenn du infiziert bist, bedeutet es nicht, dass du unbedingt krank sein wirst. Wenn du krank bist, bedeutet es auch nicht, dass du unbedingt davon sterben wirst.“ So eine Theorie habe ich schon viele Male gehören, das finde ich unvorstellbar. Aber wenn man die Geschichte Europas anschaut, dann versteht man vielleicht, wieso die Europäer so entspannt mit COVID-19 sind: Pest, Pocken, Spanische Grippe… Europa ist sehr häufig von einer Pandemie befallen worden. Deshalb haben die Europäer Erfahrung mit der Pandemie. Da ist so eine entspannte Stimmung schon nachvollziehbar.

Es ist wirklich lustig, wenn du die Nachricht von beiden Seiten hören kannst (von China und der westlichen Welt). Alle meine Verwandten in China fragen mich die ganze Zeit, ob bei mir alles in Ordnung ist, ob ich zurück nach China fliegen will. Meine Eltern zum Beispiel, haben mir schon zweimal Masken geschickt. Jetzt habe ich ungefähr zwei Kisten Masken und Handschuhe.

Aber hier in Deutschland, zieht fasst niemand Mundschutz an, sogar die Ärzte haben nicht alle eine Maske an. Doch ist die Situation ist schon besser geworden, nachdem die Maskenpflicht angeordnet wurde. Die Quarantäne ist jetzt bald zu einem Ende gekommen, aber ich glaube, die Pandemie wird die Welt noch weiter beeinflussen für eine sehr lange Zeit.

Wenn mir vor zwei Wochen jemand erzählt hätte, dass ich in kurzer Zeit zuhause festsitzen würde, hätte ich wahrscheinlich nur gelacht. Wenn man mir dazu erzählt hätte, dass es in etwa zwei Wochen kaum noch Toilettenpapier, Nudeln oder Desinfektionsmittel zu kaufen gäbe, hätte ich es wahrscheinlich nicht ernst genommen.
Und jetzt … Sitze ich zuhause fest und Toilettenpapier, Nudeln und Desinfektionsmittel sind kaum irgendwo zu finden.

Jetzt mal ehrlich, hätten wir uns die Auswirkungen des Corona-Virus jemals so schlimm ausgemalt? Wochenlang sitzen tausende von Menschen nun schon zuhause und fragen sich, wie es weitergeht und vor allem, wann es weitergeht. Bis jetzt kann ich mir nicht vorstellen, dass es im April einfach normal weitergeht, sondern eher, dass wir die Schulbank noch länger durch unseren Schreibtischstuhl zuhause eintauschen müssen. Für viele ist es vielleicht eine Möglichkeit, selbstständiger zu arbeiten und auch selbstständiger zu werden. Ich bin generell der Meinung, dass das Virus nicht nur negative Folgen hat.

Die Umwelt beispielsweise, wird im Moment extrem entlastet, da durch die Ausgangssperre alle Menschen zuhause bleiben und somit auch das Auto in der Garage bleibt. Urlaubsflüge mussten teilweise für das gesamte Jahr 2020 storniert werden und am Himmel kann man kein Flugzeug erblicken. Aber nicht nur unsere Luft wird vom CO₂ entgiftet, sondern auch unsere Ozeane werden zurzeit nicht von Schiffen befahren. Viele Meerestiere kommen so zurück in die Häfen, zum Beispiel in Italien schwimmen, viele Delfine nun sehr oft bis zu den Kaimauern und können von Einwohnern beobachtet werden. Außerdem wurde ein deutlicher Rückgang von Stickoxiden festgestellt, der unsere Luft klarer werden lässt. All diese positiven Aspekte für die Umwelt wurden durch das Coronavirus eingeleitet und zeigt vielleicht auch uns allen, was in kurzer Zeit möglich ist, wenn wir uns etwas mehr um unsere Umwelt kümmern würden. Vielleicht hilft uns das Virus, ab jetzt mehr auf unsere Umwelt zu achten. Vielleicht ist es auch nur ein sehr optimistischer Gedanke von mir, aber wir werden ja sehen, was uns die Zukunft bringt.

Ich glaube aber nicht nur, dass wir unserem Planeten etwas Gutes tun, sondern dass diese ganze Isolation auch etwas mit uns Menschen macht. Zum Wohle aller soll man sich zuhause aufhalten und vielleicht lässt uns diese Zeit über viele Dinge anders denken und manch einer wird vielen Themen gegenüber kritischer. Sozialer Kontakt ist komplett untersagt und auf der Straße bekommt man oft kritische Blicke zugeworfen, anstatt eines freundlichen „Hallo“. Desinfektionsmittel werden vor jedem Geschäft angeboten und wenn man ohne Mundschutz in einem Laden erwischt wird, bekommt man eine ordentliche Geldstrafe. Doch wie konnte es zu all diesen Einschränkungen überhaupt kommen?  Ich glaube auf diese Frage habe ich eine Antwort: Corona-Partys, Treffen von Personen trotz Kontaktsperre und das nicht Einhalten der Sicherheitsabstände, die manche Menschen komplett ignorieren. Die Infektionszahlen steigen immer weiter an, doch wann ist der Höhepunkt erreicht? Oder haben wir ihn schon erreicht? Kaum jemand kann diese Frage beantworten, aber wenn wir so weitergemacht hätten wie bisher, wären Lockerungen noch in weiter Ferne. Jetzt sind wir zumindest schon so weit, dass wir eine Kontaktperson mit Sicherheitsabstand wieder treffen dürfen und die Infektionszahlen sinken, zu unserem Glück. Ich hoffe, dass die Menschen nun die Regeln zuverlässig verfolgen und wir so den Virus eindämmen können.

Die Zeit zuhause könnte man natürlich nutzen fürs Aufräumen, Putzen oder Ausmisten, aber wer hat denn schon Lust, solche langweiligen Dinge den ganzen Tag lang zu tun. Wie wäre es, wenn wir die Zeit einfach mal nutzen, um unseren Geist etwas zu entfalten, um kreativer zu werden, neue Ideen umzusetzen oder vielleicht ein neues Hobby oder Projekt zu beginnen. Das klingt für einige jetzt leichter gesagt als getan, aber wenn man erst einmal angefangen hat, ist es gar nicht mehr so schwer, sich für neue Dinge zu öffnen und zu interessieren. Und wenn man auf gar keine Ideen kommt, gibt es ja auch noch das Internet.

Stellt euch mal unsere Situation vor 30 Jahren vor: Kontakt mit Freunden wäre noch schwieriger, als jetzt im Moment, wir haben wenigstens die Möglichkeit uns durch Videoanrufe oder Bilder zu sehen und durch Chatten trotzdem Kontakt zu halten. Wir sollten uns eigentlich glücklich schätzen, dass wir in unserer Zeit isoliert sind. Gerade jetzt merkt man, in welchem Luxus wir alle leben. Vorher standen unsere Onlinebestellungen beispielsweise am nächsten Tag vor der Tür und jetzt muss man teilweise wochenlang auf seine Bestellung warten. Wir sollten uns also trotz der schwierigen Situation glücklich schätzen und die positiven Dinge viel mehr ins Auge fassen, als die negativen. Zum Beispiel sollte man einfach mal dankbar sein, wenn es der eigenen Familie und Freunden gut geht und über Negatives hinweg zu sehen, auch wenn man mal eine Woche länger auf seine neu bestellte Jeanshose warten muss. Wir sollten uns vor allem jetzt um die Menschen kümmern, die unsere Hilfe brauchen und die uns am Herzen liegen. Die Zeit sollten wir für unsere Familie nutzen und die Zeit mit ihr genießen, auch wenn die Situation gerade sehr schwierig ist. Auch wenn wir unsere Großeltern im Moment vielleicht vermissen, sollten wir sie trotzdem nicht besuchen um sie nicht eventuell anzustecken und so zu gefährden. Eher sollten wir zum Telefon greifen, um uns mit ihnen in Verbindung zu setzen. Man muss eben auf manche Dinge verzichten um dazu beizutragen, dass die Situation entschärft wird.

Vielleicht endet die Quarantäne für manche auch in einem Lagerkoller. Auch ich war schon an Punkten, an denen ich überhaupt keine Lust hatte, irgendetwas zu machen und einfach den ganzen Tag Netflix zu schauen. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich teilweise an so etwas am Morgen gedacht habe, konnte ich mich doch immer etwas aufrappeln und zumindest ein bisschen etwas am Tag schaffen. Selbst wenn ich an einem Tag einmal nicht so viel geschafft habe, wie ich eigentlich schaffen wollte, hatte ich dafür an anderen Tagen so viel Motivation dies alles wieder aufzuholen. Zu so einem Lagerkoller kann natürlich unser monotoner Tagesablauf im Moment führen, aber warum sollte man nicht auch in Isolation, Schwung in sein Leben bringen können. Zum Beispiel durch die Entfaltung des Geistes, was ich vorher ansprach, kann man Abwechslung in den Tagesablauf bringen. Vielleicht reicht es auch einfach mal einen Spaziergang zu machen, um dem Lagerkoller zu entkommen.

Viele Menschen haben begonnen Fahrrad zu fahren, Joggen zu gehen oder generell einfach öfter raus zu gehen. Wenn ich zum Beispiel mit dem Hund eine Runde laufen gehe, begegne ich viel mehr Menschen, als vor der Quarantäne. Alle haben es satt zuhause zu sitzen und wollen einfach mal raus. Ich halte das nicht nur für einen sinnvollen Zeitvertreib, sondern man tut auch seinem Körper und Geist etwas Gutes und entrinnt gleichzeitig dem Lagerkoller. Ich bin einfach der Ansicht, dass man das Beste aus jeder Situation machen sollte, auch wenn man leicht zum Faulenzen verleitet wird. Ich bin das erste Mal in den letzten Wochen in die Situation gekommen, dass ich selbst von meinem Handy und dem Faulenzen gelangweilt war und musste mir auch neue Beschäftigungen suchen. Ich habe die Zeit tatsächlich viel draußen genutzt und es hat mir sehr gut getan oft an die frische Luft zu kommen.

O.k., nun schwenken wir mal von den ganzen Lagerkollern und Beschäftigungen kurz zum Thema Schule um. Das Lernen zuhause macht es vielen nicht einfach. Vor allem in Fächern, in denen anspruchsvoller Stoff behandelt wird, ist es schwierig, sich die Dinge selbst beizubringen. Das lässt die Motivation oft sehr stark sinken und man würde am liebsten die Schulsachen in die Ecke werfen. Doch es würde sich viel anstauen und man würde nicht mehr mitkommen, wenn man die Schule hintanstellt. Also selbst wenn es manchmal sehr nervig ist, muss man eben manchmal über seinen Schatten springen denn: „Erst kommt die Arbeit und dann das Vergnügen“. Im Falle des „Homeschoolprojekts“ sollte man sich dieses Motto immer wieder vor Augen führen und dem nachgehen. An dem „Homeschoolprojekt“ erkennt man nun gut wer in der Lage ist selbstständig zu arbeiten und wer eben nicht.

Ich bin mir nicht sicher aber ich glaube, dass man aus diesem Eintrag recht gut erkennen konnte, dass die Isolation sowohl positive, als auch negative Aspekte mit sich bringt. Es kommt immer darauf an, was man aus der Situation macht und vielleicht schafft man es, mit dieser Einstellung auch aus negativen Situationen, das Positive rauszuholen und zu sehen. Denn normalerweise sieht man oft nur die negativen kleinen Dinge und nicht die vielen großen positiven Dinge, die das Leben eigentlich bereichern. Das liegt aber denke ich mal in der Natur des Menschen, aber in diesem Falle sollte man denke ich dagegen ankämpfen. Ob nun während Quarantänezeiten oder nicht. Ich denke diese Isolationszeit, konnte uns in vielen Ansichten bereichern und uns lehren, unsere Lebensbedingungen zu schätzen und nicht immer mehr zu wollen. Vielleicht haben wir alle diese Zeit auch mal gebraucht, um uns über Dinge bewusst zu werden. Es kann natürlich auch sein, dass nur ich das so sehe oder dass ich es mir nur einbilde, aber wir haben diese Zeiten selbst zu verschulden und müssen eben nun mit den Konsequenzen leben und lernen mit der Situation umzugehen, ohne dass die Infektionszahlen wieder ansteigen. Allen, die diesen Eintrag gelesen haben möchte ich nun noch etwas mitgeben:

Bleibt gesund, genießt die Zeit mit eurer Familie und seht das Positive, selbst in den schwierigsten Situationen. Ach ja, versucht dem Lagerkoller davonzulaufen.

Nele Wirth Q11

Samstag, 28.03.20
Seit zwei Wochen bin ich jetzt nicht mehr außer Haus gekommen, was schon ein wenig komisch ist. Nicht einmal bis zu meinem Nachbarn, was sonst am Wochenende öfters der Fall ist. Aber Gott sei Dank habe ich das Glück, dass ich auf einem Hof in einem sehr kleinen Weiler wohne, wo auch im normalen Leben nicht viel los ist und ich ungestört an die frische Luft gehen kann. Wie auch die knapp letzten zwei Wochen, dachte ich mir heute abermals, was in so einer einzigartigen Zeit Kinder und Jugendliche in Großstädten wie Augsburg oder München tun. Denn sie haben nicht einen großen Garten und frische Luft vor ihrer Haustür, wie es im Ostallgäu auf dem Dorf üblich ist. Stattdessen müssen sie den ganzen Tag in einer kleinen Mietwohnung vielleicht im 7. Stock verbringen.

Sonntag, 29.03.20
[…] Grundsätzlich bemerke ich, dass der Alltag ziemlich eintönig geworden ist und dies höchstwahrscheinlich die nächsten Wochen so bleiben wird.

Dienstag, 31.03.20
Seit der Verkündung der Ausgangssperre habe ich mich ehrlicherweise nicht mehr viel über das Corona-Virus informiert, da es eigentlich immer die gleichen News sind. Ich denke, dass man insgesamt nicht zu viel (gerade im Internet) stöbern sollte, da die jetzige Situation gerne von gewissen Internetseiten missbraucht wird, um mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Heute Nachmittag habe ich mich aber nur aus Langeweile mal an den PC gesetzt und nach Fake News gegoogelt. Manche Artikel können sehr amüsant sein, bei anderen sind es aber oft ernste Themen, die böse Folgen haben können. So lautet es z.B. in einem Artikel, dass die Supermärkte nur noch beschränkte Öffnungszeiten haben. Dies finde ich persönlich einfach dreist, da es sicher viele Leute gibt, die nun in die Supermärkte rennen, wo sie wahrscheinlich auch auf Personen treffen, die diesen Artikel gelesen haben. Dies bereitet wieder eine gute Gelegenheit, so dass ich der Virus weiter ausbreiten kann.

Mittwoch, 01.04.20
Vormittags war ich heute natürlich mit den Aufgaben beschäftigt, die uns die Lehrer für den heutigen Tag aufgegeben haben. Ich hoffe, dass nach den Osterferien die Schule beginnt, da man es dort einfach besser erklärt bekommt. Zwar gibt es oft nützliche YouTube-Videos, aber sie ersetzen nicht den normalen Unterricht.

Montag, 06.04.20
[…]  Außerdem dachte ich während diesem Nachmittag nach, wie absurd die Zeit ist, in der wir uns gerade befinden. Vor ein paar Wochen lebte man noch ganz normal und wenn jemand gekommen wäre und gesagt hätte, dass man sich bald nicht mehr mit Freunden treffen darf, die Geschäfte, sowie die Grenzen schließen und alle Großveranstaltungen ins Wasser fallen und dass alles wegen einem Virus, hätte man ihn wahrscheinlich nur belächelt. Doch dass dies nun Realität ist und man sich schon langsam daran gewohnt hat, bereitet mir schon ein wenig Sorgen.

Sonntag, 12.04.20
Natürlich war auch dieser Ostersonntag anders als die anderen die letzten Jahre. Vormittags feierten wir wieder die heilige Messe mit, doch nicht die aus Marktoberdorf, sondern eine Messe aus Wien. Am Mittag gab es aber wie jeden Ostersonntag einen Sauerbraten – wenigstens ist dies wie sonst.

Montag, 13.04.20
Also unterhielten wir uns natürlich über Corona und die Folgen. Besonders war heute die Fortsetzung der Schule ein großes Thema. Von manchen Quellen erfährt man, dass es dieses Schuljahr möglicherweise gar keine Schule mehr geben wird. […] Meiner Meinung nach sollte der Unterricht in der Schule sobald wie möglich fortgesetzt werden, da man den Stoff zuhause nicht ausreichend genug erklärt bekommt.

Freitag, 17.04.20
[…] Heute wurden wir Schüler informiert, dass sowohl die Weimar- als auch die Berlinfahrten ausfallen werden, was ich leider schon länger befürchtet habe. Doch ich bin trotzdem sehr enttäuscht darüber, da ich mich über beide Fahrten schon sehr gefreut habe. So fallen also auch die zwei Highlights des Schuljahres aus, was ich sehr bedauere. Dieses Jahr ist jetzt schon mit Abstand das ungewöhnlichste und bizarrste Jahr in meinem noch jungen Leben.

Sonntag, 19.04.20
Am heutigen Sonntag feierten wir wieder die Heilige Messe über das Internet mit. Nach dem Mittagessen sind wir nach langer Zeit mal wieder nach Füssen gefahren, um mal wieder ein wenig zusammen woanders hinzukommen. Als wir durch die Fußgängerzone liefen, war ich sehr überrascht, dass trotz der jetzigen Situation sehr viele Leute unterwegs waren, aber alle mit dem nötigen Sicherheitsabstand. Dies wurde an einer Eisdiele sehr deutlich, wo manche Kunden mehr als drei Meter Abstand hielten.
Dennoch fand ich es sehr komisch und sehr ungewohnt, dass alles Personal dort einen Mundschutz hatte. Klar, dass es wichtig und auch notwendig ist, aber solche Bilder kenne ich normalerweise nur aus Science-Fiction-Filmen und jetzt ist das alles Realität. Es war außerdem sehr auffallend, dass manche Leute sogar die Straßenseite gewechselt haben, als sie auf uns zu gekommen sind. Allgemein ist die Stimmung der Passanten sehr bedrückt und unsicher gewesen.

Montag, 20.04.20
[…]  Auch heute finde ich das Erlebnis von gestern Nachmittag sehr erstaunlich und finde es sehr überraschend, wie sich die Leute in den letzten Wochen verändert haben. Es ist sehr auffallend, wie sich plötzlich alle Leute gleich verhalten und ich bin gespannt, wie lange diese Stimmung noch in den Köpfen der Menschen herrscht.

Dienstag, 21.04.20
Eine Sache, welche mich sehr zum Nachdenken bringt ist diese, dass in dieser Zeit bereits mehrere Leute von Bekannten, Nachbarn oder sogar Freunden ,,verpfiffen“ werden, weil sie sich mit jemanden unerlaubt getroffen haben. Es ist völlig klar, dass man sich bis gestern mit niemanden treffen durfte, aber ich finde es schon sehr übertrieben einen Nachbarn oder Freund der Polizei zu melden, der dann eine saftige Strafe bezahlen muss. Meiner Meinung nach ist es okay und auch gerechtfertigt, wenn die Polizei einen auf frischer Tat ertappt und man dann Strafe zahlen muss. Allerdings gehen so auch die Beziehungen der Bevölkerung auseinander, was man in dieser Zeit schon gar nicht brauchen kann. Fast jeden Tag lese ich gerade solche Berichte in der Zeitung.

Samstag, 25.04.20
[…] Würde ich diesen Blog oder Tagebuch nicht schreiben, hätte ich mal wieder den aktuellen Wochentag vergessen, weil sich die Tage nicht mehr unterscheiden. Der einzige Wochentag, der sich noch bedeutend von den anderen unterscheidet ist der Sonntag. Dies liegt daran, dass wir dort jeden Sonntag den Gottesdienst mitverfolgen und es am Mittag meistens etwas Spezielles zum Essen gibt.

Sonntag, 26.04.20
Eigentlich wäre heute die Erstkommunion meiner Cousine gewesen, welche aber auf nächstes Jahr verschoben wird. Solche Feste sind ein weiteres Problem, da diese alle im nächsten Jahr nachgeholt werden müssen (plus die eigentlichen Feste nächstes Jahr). Das gleiche Spiel ist es natürlich auch zum Beispiel mit den Operationen die normalerweise jetzt anstehen würden. Hier ist mein Opa auch betroffen, der eigentlich diesen Frühling/Herbst operiert werden würde.

Donnerstag, 30.04.20
[…] Am Nachmittag bin ich bei meinen Eltern mit aufs Feld gegangen, da wir Ampfer ausstechen mussten. Auf dem Feld, wo man keinen Verkehr hört, sondern nur den Wind in den Bäumen und die Vögel, merkt man gar nicht, dass zurzeit ein Virus die ganze Welt bedroht. In diesen Stunden habe ich auch keine einzige Sekunde an das Virus gedacht, was ich sonst in irgendeiner Weise immer tue, ob ich es will oder nicht. Hier war die Welt völlig normal, wie die letzten Jahre auch immer. Erst jetzt im Nachhinein bemerke ich, dass man es auch in dieser Zeit, wo man sofort die neusten Infos von irgendwo her rund um die aktuelle Lage in Deutschland bekommt, schafft einfach mal abzuschalten. Dies ist mir heute Nachmittag gar nicht aufgefallen, weil ich mich sofort wieder wohl gefühlt habe und es sich angefühlt hat, als gäbe es gar kein gefährliches Virus.

Montag, 04.05.20
Heute war es endlich soweit: Unsere Friseurin konnte heute endlich wiederkommen und uns die Haare schneiden. Sie war heute schon um 14:30 da, hat aber trotzdem bis abends gebraucht, um alle die Haare zu schneiden. So habe ich heute nicht viel mehr unternommen, außer dass ich am Vormittag natürlich wieder meine Sachen für die Schule erledigt habe.

Dienstag, 05.05.20
H
eute wurde offiziell verkündet, dass die Schule für uns wieder ab dem 11. Mai losgeht, also diesen Montag. […] Außerdem wird es noch spannend, ob man alle Klausuren in jedem Fach durchzieht, was ich allerdings nicht für richtig halten würde, weil man nicht ansatzweise den Stoff so gut lernt, wie in der Schule. Ich hoffe, dass die Politiker und die Lehrerverbände einen guten Plan schmieden, wie man diese Situation bewältigt.

Emanuel Maul Q11

Die europäischen Werte in der Realität

Die Corona-Pandemie hat derzeit die ganze Welt im Griff, auch uns in Deutschland. Trotzdem sollten wir uns vor Augen halten, in was für einem Wohlstand wir immer noch leben. Natürlich ist die Situation für Infizierte nicht einfach, manchmal sogar lebensgefährlich, doch dem Großteil der Bevölkerung geht es nach wie vor gut. Trotzdem gibt es in den Medien nur noch Berichte zu Corona. Ganz so, als ob es keine anderen Probleme gäbe. Irgendwann liest man dann in einer kleinen Randspalte der Zeitung, dass auf der Insel Lesbos etwa 1000 Flüchtlinge, die von dem Virus besonders gefährdet sind, in leerstehenden Hotels untergebracht werden sollen. Da hat die EU wohl alles im Griff. Diese „EU-Werte in der Praxis“ und die „Großzügigkeit der griechischen Einheimischen“, wie es EU-Innenkommissarin Ylva Johansson formuliert, sind allerdings nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist unmenschlich, hässlich und wird von den Medien nur selten erwähnt, in der Politik so gut wie nie.

Auf Lesbos kommen täglich Flüchtlingsboote an. Die Migranten stammen aus Kriegsgebieten, wie Afghanistan oder Syrien und überqueren die Meerenge zwischen der Türkei und den griechischen Inseln, um nach Europa zu gelangen. Auf diesen Inseln sitzen sie dann erstmal in riesigen Lagern fest. Eines davon ist das Lager Moria auf der Insel Lesbos, das für 3.000 Flüchtlinge ausgelegt war. Inzwischen „wohnen“ dort über 20.000 Geflüchtete. Die Lage ist katastrophal: Die Menschen leben dicht gedrängt, müssen hungern, die Wasserversorgung wird immer mehr eingestellt, Seife oder Desinfektionsmittel gibt es sowieso nicht und medizinisches Personal ist schwer zu finden. Inzwischen darf kaum noch jemand das Lager verlassen. Würde das Virus dort ausbrechen, hätten die Menschen dort keine Möglichkeit, Schutzmaßnahmen einzuhalten. Die meisten der Flüchtlinge sind geschwächt von der Flucht und den Umständen im Lager, viele haben chronische Krankheiten und sind dadurch sehr anfällig. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen fordert eine sofortige dezentrale Verteilung aller Migranten, um das Schlimmste zu verhindern. Dass tausend von ihnen nun herausgeholt werden sollen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Noch viel lächerlicher ist die große Hilfsbereitschaft der Bundesregierung, die 50 unbegleitete Flüchtlingskinder nach Deutschland holen möchte. Da hat wohl jemand die Größenordnung verfehlt. In Moria leben ca. 7.500 Kinder, davon sind 2.000 - 3.000 unbegleitete Minderjährige, auf der Straße „leben“ nochmal weit über 1.000. Und diesen Kindern geht es schlechter, als es sich ein Wohlstandseuropäer jemals vorstellen könnte. Sie sind traumatisiert vom Krieg und von der Flucht und müssen jetzt unter menschenunwürdigen Zuständen ums Überleben kämpfen. Eine Studie der Ärzte ohne Grenzen fand heraus, dass in dem Lager ein Viertel der 6- bis 16-Jährigen schon mal daran gedacht oder sogar versucht hat sich umzubringen. Trotzdem ist das reiche Deutschland nicht in der Lage mehr als fünfzig von ihnen aufzunehmen?

Die Lage auf Lesbos ist schon vor dem Corona Virus eskaliert. Die Einheimischen demonstrieren gegen die Geflüchteten und es gibt immer öfter Gewalt gegen sie: Unterkünfte werden angezündet, Frauen und Kinder vergewaltigt und wenn sie sich – verständlicherweise – dagegen wehren, werden sie mit Tränengas dafür bestraft. Auch die Arbeit der Hilfsorganisationen wird von Einheimischen erschwert: Schiffe werden mit Benzin überschüttet und angezündet oder vom Anlegen abgehalten. Die staatlichen Behörden haben anscheinend nicht vor einzugreifen, im Gegenteil, sie helfen schön fleißig mit, Flüchtlinge im Meer ertrinken zu lassen. Flüchtlingsboote mit Absicht zum Kentern zu bringen, ist schon lang eine gängige Vorgehensweise. Doch jetzt etabliert sich die Praxis, Migranten, die bereits auf Lesbos sind, auf Rettungsinseln mitten im Meer auszusetzten und sich selbst zu überlassen. Von „EU-Werten“, auf die man stolz sein könnte, ist weit und breit nichts zu sehen. Da gibt es nichts zu beschönigen und sich dann mit solchen wertlosen „Rettungsaktionen“ zu rühmen, ist absolut inakzeptabel, Corona hin oder her.

Die Klimakrise gibt es immer noch
Corona ist das bestimmende Thema in den Medien. Das ist auch richtig und wichtig, aber andere Themen werden nur noch am Rand erwähnt, die mindestens genauso wichtig sind. Zum Beispiel der Klimawandel. Den gibt es nämlich immer noch. Durch Corona werden zwar die Emissionen etwas weniger, aber es wird auch eine Welt nach dem Virus geben. Perfekt wäre es natürlich, wenn die Zeit, in der die Wirtschaft heruntergefahren ist, dazu genutzt werden würde, Strategien zu entwickeln, wie man sie danach klimafreundlicher wieder aufbauen kann. Allem Anschein nach passiert etwas dergleichen aber nicht. Würde die Politik bei Klimaschutzmaßnahmen so handeln, wie sie es derzeit bei den Corona-Ausgangsbeschränkungen tut, würden freitags wieder mehr Schüler in die Schule gehen. Dazu müssten die Politiker aber erst einmal den Ernst der Lage verstehen. Das haben die meisten bisher noch nicht. Mal angenommen, sie würden diesen Schritt meistern, wäre danach eine gute Aufklärung der Bevölkerung notwendig. Bei Corona funktioniert eine Zusammenarbeit mit den fachkundigen Wissenschaftlern inzwischen ganz gut, dem Großteil der Bevölkerung konnte die Dringlichkeit vermittelt werden. Man hat aber auch erschreckende Meldungen und Bilder zur Verfügung. Beim Klimawandel müssen sich Wissenschaftler selbst irgendwie eine Stimme verschaffen, können also überhaupt nicht alle Menschen erreichen. Dabei hat man hier auch erschreckende Meldungen und Bilder. Denn auch wegen des Klimawandels sterben bereits Menschen. Und überhaupt, trägt die Erderwärmung auch dazu bei, dass Virusübertragungen vom Tier auf den Menschen immer wahrscheinlicher und häufiger werden, denn jede Tierart ist an die Temperatur in ihrem Lebensraum angepasst. Wird es dort wärmer, kann sie irgendwann dort nicht mehr überleben und wandert in kältere Gebiete. Dadurch wird der Mensch in Zukunft mit Tieren aufeinandertreffen, mit denen er sonst nichts zu tun gehabt hätte. Und manche Viren, die die Tiere in sich tragen, können dem Menschen gefährlich werden. Wie eben das SARS-CoV-2. ES ist, als ob die Natur uns eine letzte Mahnung erteilt. Als wäre es unsere letzte Chance.

Währenddessen hat FridaysforFuture die einfachste Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen, verloren. Die Demonstrationen, die schon seit über einem Jahr jeden Freitag stattfanden, mussten und müssen abgesagt werde. Der große internationale Streik nächste Woche, soll nun ein Netzstreik werden, mit einem Livestream statt einer Demo. Man kann gespannt sein, ob dadurch Aufmerksamkeit erzeugt werden kann. Die ParentsforFuture haben eine Aktion ins Leben gerufen, bei der man Steine, die mit Forderungen bemalt sind, beim Spazierengehen verteilt. Besser als nichts, aber trotzdem eher ein verzweifelter Versuch, die Hoffnung nicht zu verlieren.  

Der Deutsche und sein Fußball
Für den typischen Deutschen ist an Corona nicht etwa am schlimmsten, dass er seine Großeltern nicht besuchen darf oder dass er seinen Job verliert, sondern die fehlende Bundesliga. Da ist es nur logisch, dass bei den Lockerungen der Beschränkungen der Fußball an erster Stelle steht. Ganz so, als ob es das Ende der Welt wäre, wenn der FC Bayern Pleite gehen würde. Was er übrigens nicht tut. Vielleicht ist der Grund aber auch die Unfähigkeit der Fans, sich zu beschäftigen, wenn man keine Fußballspiele anschauen kann. Angesichts dessen, dass es etwas gibt, mit dem man sich wunderbar die Zeit vertreiben kann – es nennt sich Internet - scheint das aber lächerlich.  Was bei dieser ganzen Diskussion anscheinend immer vergessen wird, sind die zahlreichen anderen Sportarten, die in einer Fußball-Nation nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen gebührt. Deren Sportler haben es selbst in Zeiten ohne Corona und mit Wettkämpfen schwer, Sponsoren zu finden, damit sie von ihrem Sport leben können. Diese Saison wird es vermutlich überhaupt keine Wettkämpfe geben und die wichtigsten von ihnen, die Olympischen Spiele, wurden verschoben und werden im Zweifelsfall sogar ganz abgesagt werden. Genau wie bei den Bundesligaspielern auch, wurden den Sportlern vom einen auf den anderen Tag die Trainings-, Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten genommen. Mit dem Unterschied, dass sie keine Millionäre sind und dass keiner auch nur einen Gedanken an sie zu verschwenden scheint. Was bleibt, ist außerdem die Frage, wie die Bundesliga weitergeführt werden soll, ohne Menschenansammlungen zu provozieren. Sobald Geisterspiele erwähnt werden, ist irgendjemand dagegen, aber was ist denn die Alternative? Nur so viele Fans ins Stadion lassen, wie es die Abstandsregeln zulassen? Und selbst wenn, dann treffen sich die anderen eben an privaten Orten. Es scheint dem Deutschen nämlich ein Grundrecht zu sein, mit anderen Menschen Fußball schauen zu dürfen. Wäre es nicht vernünftiger, jeglichen Anlass für ein Treffen zu unterbinden? Und vor allem: Gibt es nicht Dinge, über die viel dringender geredet werden sollte? Man könnte meinen, gewisse Personen in diesem Land sind nicht in der Lage, ihre Prioritäten sinnvoll zu setzen.

Corona - Eine Bilanz
Deutschland hat sich in der Corona-Krise bisher wirklich gut geschlagen. Das liegt vermutlich an vielen Faktoren, wie beispielsweise dem guten Gesundheitssystem und der Existenz einer Krankenversicherung, aber vor allem auch an dem verantwortungsbewussten Handeln der Politiker. Zurzeit wird nämlich mal wieder ersichtlich, dass es nicht selbstverständlich ist, eine Regierung zu haben, die nicht kopflos oder egoistisch ist. Und selbst wenn man sich in der Flut von Nachrichten erst einmal etwas orientieren muss, wird man gut informiert und aufgeklärt, wenn man es nur will. Man weiß, dass es einen ständigen Dialog zwischen Wissenschaftlern und Politikern gibt und die Entscheidungen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Folglich fühlt sich die Bevölkerung sicher und ist eher bereit, Maßnahmen ernst zu nehmen. Anderswo sieht das nicht so aus. In den USA zum Beispiel, wütet das Virus mit am schlimmsten und trotzdem hat der Präsident nichts Besseres zu tun, als inkompetent aufzutreten und unqualifizierte Aussagen zu machen. Und siehe da: Obwohl das Gesundheitssystem überlastet ist, was wiederum Menschenleben kostet, gibt es Proteste gegen Ausgangsbeschränkungen. Die gibt es hier in Deutschland auch, allerdings ist es etwas verständlicher, da Corona hier sehr gut eingedämmt wurde. Maßnahmen, die die Grundrechte so stark einschränken, scheinen deswegen übertrieben. Trotzdem hat die Mehrheit verstanden, dass wir gerade wegen den Maßnahmen so gut dastehen.  Es wäre wünschenswert, wenn das manchmal noch stärker hervorgehoben werden würde. Denn so langsam macht sich die Einstellung breit, wir hätten das Virus schon überwunden und der Alltag könne wieder zurückkehren. Dem ist definitiv nicht so: Es wurden nur ein Bruchteil von denen infiziert, die sich infizieren müssen, um eine Herdenimmunität zu gewährleisten. Es kommt einem so vor, als wollten die Politiker die Bevölkerung (bzw. ihre Wähler) besänftigen, was ja an sich auch nicht verkehrt ist. Vielleicht sollte aber das Bewusstsein geschaffen werden, dass eine zweite Welle und damit auch wieder strengere Ausgangsbeschränkungen kommen werden. Sonst wird die Bevölkerung beim zweiten Mal womöglich nicht so verständnisvoll und folgsam sein, wie sie es noch ist. Und von dieser Folgsamkeit hängt bei Corona das Überleben vieler Menschen ab. (03.05.2020)

Cornelia Schleburg 10a

  

Die Corona-Krise in Bildern

Die acht Wochen ohne Schulalltag und die Möglichkeit, Freunde zu sehen, hat Spuren hinterlassen. Es war nicht immer einfach, aber mit großem Einfallsreichtum, mit Kreativität und Humor haben viele Schüler die nicht ganz einfache Zeit gut gemeistert. Dabei sind viele neue Ideen und Bilder entstanden - schöne, beklemmende und skurrile - , die wir Ihnen in unserer kleinen Bildergalerie zeigen.

Fotos und Illustrationen:
Peter Schatz, Carina Nißlbeck, Claus Strunz,
Franziska Jaeckle, Frieda Krebs,
Anna Martin, Leon Klemusch, Daniel Hanke, Jonas Öz