Die Theatergruppe des Gymnasiums Marktoberdorf feiert mit „Das Leben des Siegfried“ Premiere. Ein Stück, das man(n) und Frau gesehen haben muss.
Siegfried – bei diesem Namen ist der Bestseller schon vorprogrammiert. Schön und blond ist er. Er hat in Drachenblut gebadet. Unbesiegbar. So erzählen es die Sagen. Dumm nur, wenn Siegfried eigentlich Seefred heißt. Ob er schön ist? Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Mutig und unbesiegbar: Das ist er eigentlich auch nicht. Dafür kitzlig. Und, ach ja – genauso wie der sagenhafte Siegfried – hat auch Seefred eine Mission: Er möchte über den Seeweg nach Indien. Wäre da nicht die falsche Abbiegung, die er aus Versehen genommen hat. Und so schlittert er eher unfreiwillig in die Nibelungensage. Ein Heldenepos? Von wegen.
Nibelungenlied – das dürfte dem einen oder anderen eventuell aus der Schulzeit noch präsent sein. Es ist um 1200 entstanden und eigentlich ziemlich tragisch. Denn nahezu alle Hauptpersonen sterben: Siegfried, Hagen, Kriemhild, Gunther.... Die volle Partie. Die Theatergruppe des Gymnasiums Marktoberdorf hat sich nun eben jenem Werk gewidmet. Aber nicht so, wie man annehmen könnte. Sondern ganz anders. Lustig eben. Unkompliziert. Und ja, an manchen Stellen auch ein bisschen cringe. Aber so ist halt das Leben als Seefred. Der kommt nach einigem Hin und Her im Reich von Königin Brünhild an. Genau, die Frau mit den schönen Ellbogen. Brünhild fordert jeden Mann zum Wettkampf auf – es geht um Ehe oder Tod. Und so kommt es, wie es kommen muss. Sie gerät in Seefreds Bann und sollte nicht die Einzige bleiben.
Nach der Vorlage des Stücks von John von Düffel brachte die Theatergruppe eine Premiere auf die Bühne, die es in sich hatte. Da wurden große Themen wie Selbstbestimmung, Rollenbilder, Liebe, Rache – und ja auch Treue,lieber Seefred – mit einer ungeheuren Leichtigkeit ans Volk gebracht. Seefred, eigentlich eine gute Seele, stolpert von einem Missverständnis ins nächste. Von Brünhild zu Kriemhild, der nun aber wirklich schönsten Frau der Welt – die nach nur zwei Begegnungen mit Seefred sagt: „Ich war einst die schlauste Frau und jetzt weine ich wegen eines Mannes.“
Einzelne schauspielerische Leistungen herauszupicken, würde dem Stück nicht gerecht werden. Es war vielmehr die Gesamtleistung. Viele Spielerinnen und Spieler hatten gleich mehrere Rollen – sei es als rappende schräge Vögel, als Pudel oder Walküren. Hervorzuheben sind dennoch die starken Frauen in dem Stück: Klara Tiedtke und Theresa Dürr als Brünhild sowie Marlene Steinkamp und Franka Reiß als Kriemhild. Geballte Frauenpower, der Jonathan Trillof als Seefred aber durchaus standhalten kann. Unter der Regie von Ruth Cebulj und Bernhard Kühn, der sich mit Loucian Funk auch ums Bühnenbild gekümmert hat, ist ein Stück entstanden, das man gesehen haben muss.
Stefanie Gronostay (mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung)