Spektakuläres Schultheater: Das Leben des Siegfried

Schnauze voll von Heldentaten und Geschlechterkampf: Schultheater holt den unbeholfenen „Normalo“ in die Heldenrolle!

Eine Komödie sollte es sein, darin waren sich die über 30 Schülerinnen und Schülern des Wahlkurses „Schultheater“ zu Beginn des Schuljahres einig. Dass es ausgerechnet eine humorvolle Bearbeitung des Nibelungenliedes werden sollte, des tragischen deutschen Heldenepos über Liebe, blutige Rache, Ehre und Treue, sollte sich bald herauskristallisieren – der Stoff schien angesichts der zweifelhaften Besetzung so manchen „Throns“ im Welttheater eine verheißungsvolle Wahl. Die Annahme erwies sich als richtig, denn in John von Düffels Verwechslungskomödie wird die Fallhöhe zum häufig wiederkehrenden Stilmittel:

Seefred (Jonathen Trillof), unbedarfter Sohn eines Gewürzhändlers mit dem Ziel Hinterindien und alles andere als ein starker Mann, ist rein zufällig in die Geschichte der Nibelungensage hineingestolpert und wird nun in von einer enttäuschten Erwartung zur nächsten geschubst. Dass er nicht halten kann, was man von einem Helden Siegfried erwartet, darin liegt der humorvolle, sich über das Heldentum erhebende Tenor der Bühnenhandlung. Ihren Beitrag zum beabsichtigten Durcheinander leisten auch der pseudointellektuelle Hagen (Magda Reischl/Jasmina Schilling), der weinerliche König Gunther (Matthias Landes), die kaltschnäuzige Brünhild (Theresa Dürr/Klara Tiedtke) und die hochemotionale Brünhild (Franka Reiß/Marlene Steinkamp). Den Chor zur Bühnenhandlung übernehmen drei frech kommentierende Raben mit krächzendem Gesang (Xaver Breitruck/Eliza Ungur/Anna Weinmüller). Und der Dänenkönig Tuborg (Anton Herbst) erscheint als zahnloser Tiger mit seinen ebenso harmlosen Kriegern auf der Bühne. Die Höhe: Erst am Ende des Stücks taucht der Titelheld Siegfried (Juna Schwenninger) auf, zufällig am selben Tag geboren wie Seefred, und beschwert sich, weil das Drama ohne ihn gespielt wurde…

In der Auseinandersetzung mit John von Düffels Komödie ergaben sich im Laufe der Proben zahlreiche originelle Umsetzungsideen, die mit viel Spielfreude und Witz und mit Hilfe eines ideenreichen Technikteams (Loucian Funk/Hannes Herb/Kilian Opitz/Felix Pfefferle/ Julian Reiner) auf der Bühne umgesetzt wurden.

Ein herzlicher Dank allen Schauspielerinnen und Schauspielern für ihre Spielfreude und ihren großen Einsatz, den Helfer/-innen in Maske und Requisite und allen, die unsere Arbeit unterstützen!

R.Čebulj/B. Kühn