Die Ehrfurcht beim Googeln war groß: Ein Bestseller-Autor! Schon über 180 Romane! Übersetzt in 18 Sprachen, gelesen z. B. in Südkorea, China, Russland oder Portugal… Und der kommt (vermittelt durch die Buchhandlung „Eselsohr“) ans Gymnasium Marktoberdorf, Wahnsinn! Was dann die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen am 15. Mai erleben durften, war der ultimative Einblick in das Schaffen eines Berufsschriftstellers.
Der Kemptner Michael Peinkofer las zunächst einige Kapitel aus seiner aktuellen „Timelock“-Trilogie vor, in der es um den mehr oder (oft auch) weniger heldenhaften Kampf der jugendlichen „Zeitrebellen“ gegen den bösen Ex-Zeithüter Nimrod geht, dessen egoistische Veränderungen in der Vergangenheit es wieder rückgängig zu machen gilt – verbunden mit etlichen Zeitsprüngen, z. B. ins alte Ägypten oder nach Rom. In Letzterem spielte auch der vorgelesene Ausschnitt: Der Hauptcharakter Jason und seine Freunde kommen zunächst in Kontakt mit dem unangenehmen Kommandanten der Prätorianer, der sie für seine Zwecke einspannen will, um sich am Ende im Kolosseum wiederzufinden – als „Attraktion“. Dass dabei genau recherchierte, stimmige historische Details wie das exakte Aussehen der Gladiatoren oder die Sitzordnung im Amphitheater vorkommen, wundert eher weniger, hat der Autor doch u. a. Geschichte studiert und macht sich diesen Vorteil bei vielen seiner Werke zu Nutze. Was Michael Peinkofer aber definitiv hervorragend beherrscht, ist das Erzählen spannender Geschichten, schließlich ist es gar nicht so einfach, 100 jugendliche Zuhörerinnen und Zuhörer 40 Minuten lang durch Vorlesen bei Laune zu halten.
Aber mindestens so spannend war der sich daran anschließende Fragenteil, den die Schülerinnen und Schüler nutzten, den Gast alles zu fragen, was sie schon immer mal über Berufsschriftsteller wissen wollten. Da erfährt man z. B., dass es sich um harte Arbeit handelt: ein Kapitel am Tag, ein Roman alle paar Monate, vier bis fünf im Jahr, dazu Recherchen, Lesungen, Online-Präsenz… Das Bild des gelegentlich von der Muse geküssten, egomanen Dichter-Genies wurde jedenfalls schon mal eindrucksvoll widerlegt. Man erfuhr, dass M. Peinkofer ein „Plotter“ ist, also erst das gesamte Handlungskonzept genau ausarbeitet, bevor er ans Ausformulieren geht, dass er je nach Genre mit ganz unterschiedlichen Verlagen zusammenarbeitet oder dass er schon seit über 30 Jahren professionell schreibt und sich schon davor das Studium durch das Verfassen von „Groschenromanen“ unter amerikanisch klingenden Pseudonymen finanziert hat. Für Eitelkeit ist da wenig Platz: Der Autor betont, dass es ihm darauf ankommt, seinem Publikum Spaß zu bereiten, was ihm sowohl mit der „Timelock“-Trilogie, als auch mit anderen beliebten Werken, z. B. der lustigen „Orks“-Saga (natürlich ist er Tolkien-Fan!), spielend gelingt. Und dass er selbst Spaß an seinem Beruf hat, sieht man ihm die ganze Zeit über an – entsprechend wurde auch die Frage, „ob er schon mal alles hinschmeißen wollte“, klar verneint: Er schreibt „eigentlich immer“. Und für all diejenigen, die es ihm gleichtun wollen, gibt es auch gleich einen guten Tipp: „Das Zauberer-Handbuch: Schreib deinen eigenen Fantasy-Roman“, natürlich von: genau.
Michael Köck