Vorlesen macht schlau! Das ist das Ergebnis psychologischer Untersuchungen an Erstklässlern: Hatte man diesen vor der Einschulung häufig vorgelesen, hatten sie nicht nur einen deutlich größeren Wortschatz als Kinder ohne Vorlese-Hintergrund, sondern im Schnitt auch einen höheren IQ. Abstrakt? Herr Breitruck, der Moderator des diesjährigen Vorlesewettbewerbs für die 6. Klassen, demonstrierte sehr einleuchtend den Unterschied zwischen dem Sehen einer Geschichte als Comic und dem Zuhören beim Vortragen derselben Geschichte: Zweimal Odyssee, zweimal Polyphems Höhle, zweimal der mutige Odysseus. Der Unterschied? Die erste Version, ein Animationsfilm, sorgt für offene Münder und starre Blicke. Die zweite, die Darbietung des Homer-Textes durch einen professionellen Vorleser, fordert unser Sprach- und Vorstellungsvermögen ungleich mehr, was etliche der anwesenden Sechstklässler bestätigen konnten.
Abwechslungsreiche Textauswahl und hervorragende Leser/-innen zogen das Publikum in ihren Bann
Entsprechend gespannt, ruhig und diszipliniert zeigten sich dann auch die fünf sechsten Klassen als Publikum für den Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels. Nacheinander erlebten die Sechstklässler und die Jury (Herr Brücklmayr für die Schulleitung, Frau Krieger für den Elternbeirat, Maya Zimmermann als Schülersprecherin, Herr Dr. Köck für die Fachschaft Deutsch) nun die erste Runde, in der die fünf Klassensieger jeweils drei Minuten aus einem selbst ausgewählten Werk vorlasen. Dabei griff Pius Bräckle (6a) auf einen sehr „prominenten“ Helden zurück: Viele Schülerinnen und Schüler kennen und lieben die Figur des von J. K. Rowling erfundenen Zauberschülers Harry Potter – ein unterhaltsamer Einstieg! Weniger bekannt, aber nicht minder lustig sind die Verwicklungen in „Pfeffer und Minze“ von Sarah Welk, die Emma Schreyer aus der 6b präsentierte, gefolgt von Rick Riordans Dauerbrenner „Percy Jackson“, den sich Nepomuk Oberheide (6c) vornahm. Lena Canzian (6g) wiederum kredenzte ihren faszinierten Mitschülern „Die Insel der Smartphone-Waisen“ von Salah Naoura. Einen echten Klassiker hatte sich Naemi Goral (6m) ausgesucht: Sie trug das spannende Ende von Otfried Preußlers „Krabat“ vor.
Begeisterung beim Publikum und der Jury
Nach einer kurzen Pause fand die zweite, entscheidende Runde statt: Die Kandidaten lasen nun jeweils zwei Minuten lang aus einem ihnen unbekannten Text, Zoran Drvenkars „Die Nacht, in der meine Schwester den Weihnachtsmann entführte“ vor – die Geschichte rund um den kleinen Bruder des Erzählers (samt Ausflug in die Toilette) sorgte rundum für Gekicher und Begeisterung bei Publikum und Jury.
Während sich die Jury im Anschluss zur Beratung zurückzog, stürzte sich das Publikum auf ein nicht ganz einfaches Rätsel zum Thema „Lesen“, das auch Fragen zu den gerade gehörten Texten enthielt. Am Ende konnten viele Schüler beweisen, wie aufmerksam sie zugehört hatten – per Los wurde ein glückliches Gewinnerteam ermittelt.
Aber die Hauptsache fehlt noch: Wer hat den Vorlesewettbewerb gewonnen? Für die beste Vorleseleistung wurde Naemi Goral (6m) ausgezeichnet – sie wird unsere Schule auch beim Kreisentscheid in der nächsten Runde vertreten. Herzlichen Glückwunsch!
Michael Köck