Eröffnung des Bunkermuseums  im Rathaus

Text und Fotos: Thorsten Krebs

Der Beitrag  in den „Allgäu.tv Nachrichten“ über unser Bunkermuseum beginnt bei ca. 23:55 min.
Und hier geht´s zum Webauftritt des P-Seminars

Seit September 2016 hat das P-Seminar "Atombunker" recherchiert, geschrieben und geschraubt. Jetzt sind Luisa Martin, Max Lederle, Philipp Siegert und Colin Schaffer am Ziel: Am 21. Juni wird im Rathaussaal um 19.30 das Bunkermuseum im Rathaussaal eröffnet. Um Idee und Konzeption dieser Dauerausstellung näher zu beleuchten, hier einige Hintergrundinformationen zur Arbeit des P-Seminars:

Fällt das Stichwort „Kalter Krieg“, so denkt man sofort an spektakuläre Ereignisse wie den Mauerbau oder die Kuba-Krise. Die Angst vor einem nuklear geführten Dritten Weltkrieg war nicht nur in den unmittelbar gefährdeten Metropolen enorm, sondern auch in der Provinz. Der atomaren Bedrohung versuchten viele Städte daher mit Großschutzräumen zu begegnen – so auch Marktoberdorf. Was viele nicht wissen: Einer der größten Strahlenschutzbunker in der Region wurde Mitte der 1980er Jahre im Zuge des Umbaus der Marktoberdorfer Stadtverwaltung unter das Rathaus gebaut.

Ein "vergessener" Atombunker

25 Jahre nach Ende des Kalten Krieges ist der Atomschutzbunker mit seinem fast vollständig erhaltenen Inventar nun „entwidmet“ worden, d. h. er hat seine offizielle Funktion verloren.
Damit dieses Baudenkmal des Kalten Krieges nicht in Vergessenheit gerät, hat das P-Seminar „Atombunkermuseum“ unter der Leitung von Thorsten Krebs in Zusammenarbeit mit Stadtarchivarin Josephine Berger die Dauerausstellung  „Der Kalte Krieg in der Provinz – ein Atombunker in Marktoberdorf“ konzipiert.

Anderthalb Jahre Archivrecherche, Zeitzeugengespräche und Konzeptionsarbeit

Dazu recherchierten die Abiturienten Maximilian Lederle, Luisa Martin, Colin Schaffer und Philipp Siegert anderthalb Jahre im Stadtarchiv und Zeitungsarchiven, werteten die Unterlagen der Stadtverwaltung zu Bau, Betrieb und Organisation des Atombunkers aus, lasen Fachliteratur zu Zivilschutz und Bunkerbau in Westdeutschland, führten Interviews mit Zeitzeugen und entwickelten ein umfassendes Ausstellungskonzept.
Auf fast 100 Ausstellungstafeln wird nun in den drei Themenräumen „Bunkergeschichte“, „Bunkerleben“ und „Bunkertechnik“ die Geschichte des Rathausbunkers erzählt. Dazu wurden u. a. Originalexponate wie Urinale und Handwaschbecken angeschraubt, ein Aktivkohlefilter des Modells R 10 mithilfe der freiwilligen Feuerwehr aufgeschnitten, die Trockentoiletten zusammengebaut und einer der 42 1000-Liter-Wasserbehälter aufgestellt. Eine Medienstation mit Experten- und Zeitzeugeninterviews sowie Filmen zu Zivilverteidigung und Schutzraumbau ergänzt das Ausstellungsangebot.

Schaffung eines außerschulischen Lernorts zum Kalten Krieg am Originalort

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Durch die Dauerausstellung wird nicht nur die kulturelle Infrastruktur von Stadt und Region gestärkt – ein solches Atombunkermuseum stellt weit über die Grenzen Marktoberdorfs hinaus ein Alleinstellungsmerkmal dar –, sondern auch ein Beitrag für das lebenslange Lernen der Bürger geleistet. Deshalb an dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Förderer, Helfer und Berater, vor allem aber an die „Museumsmacher“ Maximilian, Luisa, Colin und Philipp, die mit ihrem Engagement etwas geschaffen haben, das bleiben wird: eine Stätte politisch-historischer Bildung, an der Marktoberdorfer Schüler und Bürger ein wichtiges Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte am „Originalort“ kennenlernen können.

Am 21. Juni 2018, 19.30 Uhr wird die Dauerausstellung nun offiziell im Foyer des Rathausanbaus (Richard-Wengenmeier-Platz 1) eröffnet. Anschließend besteht die Möglichkeit, das Bunkermuseum zu erkunden. Alle Mitglieder der Schulfamilie sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.